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Teilzeitstudium in der Pflege? Das geht!

Das KSA bietet als eines der wenigen Akutspitäler in der Schweiz den Teilzeitstudiengang zur Pflegefachfrau FH und HF an. Im Interview sprechen zwei Studierende über den Studiengang und ihren Alltag.

Das Kantonsspital Aarau bietet 400 Aus- und Weiterbildungsstellen und rund 60 Berufspraktikumsstellen in 28 verschiedenen Berufen an. Im Bereich der Pflege besteht die Möglichkeit, berufsbegleitend an der Fachhochschule (FH) oder der Höheren Fachschule (HF) zu studieren. Die Teilzeitarbeit nebst dem Studium ist nicht in allen Spitälern möglich: «Das Interesse am Teilzeitstudiengang im KSA ist gross – wir erhalten sogar Bewerbungen aus der Bodenseeregion», erklärt Agnes Martin, Leiterin Fachabteilung Berufsbildung Pflege & MTTD im KSA. «Wir sind eines der wenigen grossen Akutspitäler mit diesem Angebot». Carmen Furrer und Jeannine Schwarz befinden sich derzeit in der Ausbildung zur Pflegefachfrau FH beziehungsweise HF. Im Interview sprechen sie über den Studiengang und ihren Alltag.

Wie sieht Dein beruflicher Werdegang aus?

Carmen: Ich habe im KSA die dreijährige Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit (FaGe) mit Berufsmaturität absolviert. Anschliessend habe ich für zweieinhalb Jahre in der Pflege im Spital Muri und für eineinhalb Jahre in der Langzeitpflege im Reusspark gearbeitet. Im Anschluss bin ich zum KSA zurückgekehrt, um das dritte und vierte Jahr des Teilzeitstudiengangs zur Pflegefachfrau FH zu absolvieren. Im Sommer 2022 schliesse ich die vierjährige Ausbildung nun ab und erlange den Bachelor of Science in Pflege.

Jeannine: Ich bin eine totale Quereinsteigerin. Ursprünglich habe ich eine Lehre als Handbuchbinderin absolviert und anschliessend für ein paar Jahre in diesem Beruf gearbeitet. Ich habe in diesem Bereich verschiedene Weiterbildungen gemacht, u.a. auch in der industriellen Buchbinderei. Mit der Zeit habe ich mein eigenes Atelier aufgebaut und mich selbständig gemacht. Nach der Geburt meines dritten Kindes musste ich mein Atelier jedoch aufgeben. Und nun habe ich im Herbst 2019 mit der Ausbildung zur Pflegefachfrau HF begonnen.

Warum hast Du Dich für den Beruf Pflegefachfrau FH bzw. HF entschieden?

Carmen: Nach meiner Ausbildung zur FaGe habe ich in einem Vollzeitpensum gearbeitet. Während dieser Zeit habe ich mir überlegt, in welche Richtung ich mich entwickeln möchte. Die Arbeit in der Pflege gefällt mir sehr gut und ich möchte mein Wissen vertiefen. Deshalb habe ich mich für das Bachelorstudium entschieden.

Jeannine: Grundsätzlich war ich interessiert an einer Ausbildung zur Hebamme. Da ich diese jedoch nur in einem Vollzeitstudiengang hätte absolvieren können, kam sie für mich neben meiner Familie nicht in Frage. Das Interesse daran, im Gesundheitswesen zu arbeiten, blieb gross und hat mich angespornt nach weiteren Möglichkeiten zu suchen. Ich entdeckte, dass die Ausbildung zur Pflegefachfrau HF auch in Teilzeit möglich ist und somit war für mich die Entscheidung klar. Mit dieser Ausbildung hätte ich später auch einen einfacheren Zugang zur Ausbildung zur Hebamme.

Was gefällt Dir besonders gut im KSA?

Carmen: Wir arbeiten hier in einem grossen Spital. Das macht den Alltag sehr abwechslungsreich. Im letzten und vierten Jahr meines Studiums konnte ich in die Pflegeabteilung des Kinderspitals wechseln. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Team und mit den Kindern und ihren Angehörigen gefällt mir sehr.

Jeannine: Ich bin sehr dankbar, dass ich diesen Teilzeitstudiengang im KSA absolvieren darf. Bisher war ich in meinen beiden Praktika auf einer medizinischen Abteilung des KSA tätig. Ich habe viele tolle Menschen kennengelernt, ein super Team und lerne viel dazu.

Welche Stärken und Fähigkeiten braucht es als Pflegefachfrau FH bzw. HF?

Carmen: In erster Linie Motivation, Freude am Beruf und am Kontakt mit Menschen. Auch Empathie ist sehr wichtig.

Jeannine: Zuverlässigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Genauigkeit sind sicherlich sehr wichtig, sowie Empathie und ein gutes und gesundes Einfühlungsvermögen. Man muss sich aber auch abgrenzen können. Jede Patientin und jeder Patient ist anders und man muss immer wieder aufs Neue herausfinden, wie man am besten mit der jeweiligen Person kommuniziert.

Welche Chancen und Herausforderungen siehst Du in Deinem Studium?

Carmen: Eine grosse Chance sehe ich bei der Zusammenarbeit mit der Ärzteschaft. In Zeiten von Ärztemangel können wir als Pflegefachfrauen FH verschiedene Aufgaben übernehmen. Die gesamte Medizin, die sich weiterentwickelt, ist eine Chance und Herausforderung zugleich.

Jeannine: Meine grösste Herausforderung ist ganz klar die Familie. Ich habe drei Kinder im Alter von sechs, acht und zehn Jahren. Da ist es nicht immer einfach, Schule, Arbeit und Privatleben unter einen Hut zu kriegen. Mein Mann unterstützt mich hier aber sehr.

Weshalb hast Du Dich für den Teilzeitstudiengang zur Pflegefachfrau FH bzw. HF entschieden?

Carmen: Da ich vor der Ausbildung zur Pflegefachfrau FH zweieinhalb Jahre lang Vollzeit gearbeitet habe, wollte ich unbedingt weiter im Berufsleben bleiben. So kann ich die erlernte Theorie immer gleich in der Praxis umsetzen. Ausserdem spricht mich die Abwechslung zwischen Studium und Arbeitstätigkeit sehr an. Nicht zuletzt waren auch finanzielle Aspekte ausschlaggebend für den Teilzeitstudiengang, da ich während dem Studium aus meinem Elternhaus gezogen bin.

Jeannine: Ganz klar, um diese Ausbildung machen zu können und gleichzeitig das Familienleben nicht zu kurz kommen zu lassen.

Gibt es ein Erlebnis, an das Du Dich besonders erinnerst?

Carmen: Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass ich für mein letztes Studienjahr ins Kinderspital im KSA wechseln konnte. Das war wirklich ein Highlight. Auch die ganzen «Aha-Momente», die ich im Studium erlebe. Als FaGe haben wir ein gutes Grundwissen erworben. Im Studium lernen wir vertiefter, wie verschiedene Medikamente wirken oder wie man herausfordernde Situationen kommunikativ angeht. Hinzu kommen z.B. die Kompetenzen dazu, klinische Untersuchungen durchzuführen oder Forschung in die Praxis zu implementieren. Dadurch haben sich viele lehrreiche Situationen ergeben.

Jeannine: Für mich sind es die kleinen Erlebnisse mit den Patientinnen und den Patienten, die ich tagtäglich erlebe. Sie geben mir das Gefühl, hier am richtigen Ort zu sein.

Was würdest Du im Gesundheitswesen ändern, wenn Du entscheiden könntest?

Carmen: Ich würde mir wünschen, dass wir mehr Zeit für unsere Patientinnen und Patienten haben. Und dass für uns Bachelor-Absolventinnen und -Absolventen mehr kompetenzgerechte Stellen geschaffen werden. Zudem würde ich in Bereiche wie Prävention und Gesundheitsförderung investieren.

Jeannine: Ganz klar: Mehr Zeit für die einzelnen Patientinnen und Patienten zu haben. In der Schule haben wir das Konzept der familienzentralen Pflege thematisiert. Da wird nicht nur der Patient oder die Patientin miteinbezogen, sondern es werden auch Verwandte, Bekannte und Bezugspersonen berücksichtigt – individuell so wie von den Familien gewünscht. Das bedarf aber viel Zeit.

Vielen Dank, Carmen und Jeannine, dass Ihr uns einen Einblick in Eure Ausbildung und Euren Alltag gegeben habt.

Sicherstellung des Pflegenachwuchses

Neue Anstellungsformen wie der Teilzeitstudiengang zur Pflegefachfrau FH und HF bieten Interessierten und Arbeitgebern viele Vorteile. Nadja Sträuli, Berufsbildungsverantwortliche Pflege, führt aus: «Durch unser Angebot gewinnen wir Menschen mit einer hohen Motivation, Lebens- und Berufserfahrung, welche wir nach Abschluss der Ausbildung allenfalls weiterhin im KSA beschäftigen können». Ausserdem hilft der Teilzeitstudiengang, neue Pflegefachkräfte zu gewinnen und den Pflegenachwuchs sicherzustellen.

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