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«Zeit ist das Wertvollste, was wir haben»

KSA, 19.08.2022
Frank H. plagten einige Monate lang Rückenschmerzen. Nach sorgfältigen Untersuchungen folgte die Diagnose: Krebs. Die Chemotherapie war nur der Anfang seiner Behandlung.

Frank H. geht es heute gut. Er freut sich, dass die Nebenwirkungen abgeflacht sind und er den Sommer geniessen kann. Erst kürzlich endete seine Strahlentherapie. Es war bereits die zweite. Doch von vorn. Im Jahr 2015 hatte er über einige Monate hinweg Rückenschmerzen. Trotz orthopädischer Behandlung und Übungen wurden diese nicht besser. Beim Aussteigen aus dem Zug hatte er eines Tages ein komisches Gehgefühl. «Ich ging zum Arzt, und nach einigen Untersuchungen war die Ursache gefunden», erzählt der 52-Jährige. Ein Tumor ist ihm in den Wirbelsäulenkanal gewachsen und drückte dort auf das Rückenmark. Die Behandlung erfolgte im KSA. «Bei Frank H. kamen ein paar Besonderheiten zusammen», sagt Prof. Dr. med. Christoph Mamot, Chefarzt und Fachbereichsleiter Onkologie am KSA.

Erste Priorität: den aggressiven Tumor behandeln

Zum einen hatte Frank H. ein sogenanntes follikuläres Non-Hodgkin-Lymphom (langsam wachsend), das sich in ein diffuses grosszelliges B-Zell-Lymphom (schnell wachsend) transformierte (Details siehe Infobox). «Das kommt vor, aber selten», so der Onkologe. Zum anderen zeigte sich beim Patienten die Erkrankung nicht im Lymphsystem, sondern an den Knochen. Ein aggressives B-Zell-Lymphom wächst schnell, es kann sich innert einer Woche in der Grösse verdoppeln. Es galt, zuerst das anzugehen. Hierbei ist eine Antikörper-/Chemotherapie am zielführendsten. Nach sechs Zyklen sah es gut aus, das aggressive B-Zell-Lymphom war Geschichte. «Doch mein Arzt hat mich vorgewarnt, dass das ursprüngliche follikuläre Lymphom wahrscheinlich wiederkommt.»

Normale Lebenserwartung möglich

So war es dann auch. Wie nach Krebsbehandlungen üblich, geht auch Frank H. regelmässig zur Kontrolle. Im Frühling 2021 ergaben die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und die Computertomographie (CT), dass sich wieder ein Tumor gebildet hatte. Diesmal an der Rippe. Da dieser nicht aggressiv und lokal war, wurde Frank H. mittels Strahlentherapie behandelt. Dieses Jahr wiederholte sich das Spiel.

«Am Anfang war es manchmal schwierig, doch mittlerweile kann ich mit der Situation gut umgehen», erzählt Frank H. und sagt weiter: «Im Bewusstsein, dass Zeit das Wertvollste ist, was wir haben, nutze ich diese so gut wie möglich.» Bewusster wendet er sich den Dingen zu, die Spass machen; er verbringt Zeit mit Familie und Freunden. Ebenso bewusst minimiert er Unnötiges und sagt eher mal Nein, als das früher der Fall war. «Im Moment ist alles ganz normal und es geht mir gut», so Frank H. Christoph Mamot ergänzt: «Patientinnen und Patienten mit langsam wachsenden Non-Hodgkin-Lymphomen können zum Teil sogar eine normale Lebenserwartung haben.»

Was ist ein Non-Hodgkin-Lymphom?

Das Non-Hodgkin-Lymphom ist eine seltene Krebserkrankung des Lymphsystems. Dabei entarten die weissen Blutkörperchen, die eine wichtige Rolle in der Immunabwehr spielen. Das Non-Hodgkin-Lymphom umfasst ganz viele Erkrankungen, die man nach der Ursprungsart der weissen Blutkörperchen unterscheidet, zum Beispiel nach B-Zell- und T-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom.

Die Tumore sind sehr unterschiedlich, was ihre Entwicklung betrifft:

Niedrigmalignes Non-Hodgkin-Lymphom

Das follikuläre Non-Hodgkin-Lymphom, ist eine niedrigmaligne (bösartige) Form. Das heisst, es wächst langsam, sehr unterschiedlich und manchmal sogar über Jahrzehnte lang gar nicht. Diese Lymphome verschwinden auch mit Therapien nicht ganz. Die Erkrankung bleibt chronisch, kann aber trotzdem zu einer normalen Lebenserwartung führen.

Hochmalignes Non-Hodgkin-Lymphom

Das aggressive B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom zählt zu den schnell wachsenden Tumoren der Familie. Häufig tritt es in den Lymphdrüsen oder Lymphknoten auf. Diese Lymphome müssen sehr schnell behandelt werden. Mit der richtigen Therapie sind sie häufig gut behandelbar und oft auch heilbar.

Therapien

Die Behandlungen unterscheiden sich sehr nach der Art des Lymphoms. Die aggressiven Arten werden meist mit Chemotherapien und seit etwa 20 Jahren im Fall eines B-Zell-Lymphoms zusätzlich mit einem Antikörper behandelt, um die Erfolgschancen weiter zu verbessern. Das KSA führt in speziellen Fällen auch CAR-T-Zell-Therapien durch.

Bei den niedrigmalignen Arten bzw. den chronischen Erkrankungen steht das Erhalten der Lebensqualität der Patientinnen und Patienten im Zentrum. Statt Chemotherapien kommen immer häufiger moderne, zielgerichtete Medikamente zum Einsatz. Die Medikamente sind auf spezielle Veränderungen der Tumorzellen ausgerichtet.

Bei beiden Tumor-Arten kommt in seltenen Fällen als lokale Behandlung auch eine Strahlentherapie zur Anwendung.

(*Name des Patienten geändert)

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