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Die grösste Herausforderung: Mangel an diplomiertem Personal

Gabriele Lienhard hat ihre Ausbildung vor 40 Jahren im KSA begonnen. Heute ist sie Bereichsleiterin des Pflegezentrums in Zofingen. Im Gespräch gibt sie uns Einblicke in tägliche Herausforderungen.

Gabi Lienhard, wer sind Sie, stellen Sie sich doch bitte kurz vor?
Meine jetzige Funktion heisst Bereichsleitung Pflegezentrum und ich bin Frau Ariella Jucker, Standortleiterin Spital Zofingen, unterstellt. Ich startete vor über 40 Jahren meinen beruflichen Werdegang mit der Ausbildung zur dipl. Krankenschwester AKP am KSA und bildete mich anschliessend auch im KSA zur «Intensivpflegeschwester» aus. Zum Glück haben sich diese Begrifflichkeiten in all den Jahren geändert. Nach zwei weiteren Ausbildungen in verschiedenen Berufen kehrte ich 2004 in die Pflege zurück. Bei Curaviva Weiterbildung absolvierte ich die Ausbildung zur Institutionsleitung Langzeitpflege und führe nun das Pflegezentrum Spital Zofingen seit 4 Jahren. Es war und ist mir sehr wichtig, mit Menschen zusammen zu arbeiten. Wohnhaft war ich immer in der Region Aarau. Ich lebe in einer Partnerschaft, und wir reisen beide gerne.

Wer kommt zu Ihnen? Wer sind die Bewohnerinnen und Bewohner?
Zu uns ins Pflegezentrum kommen hauptsächlich ältere Menschen, die nach einem Spitalaufenthalt noch nicht oder nicht mehr nach Hause können. Wir bieten auch Ferien zur Entlastung von pflegenden Angehörigen an. Das Pflegezentrum besteht aus vier verschiedenen Abteilungen, die auf die jeweiligen Bedürfnisse angepasst sind. So wohnen beispielsweise auf der Gerontopsychiatrie (16 Plätze) Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen. Auf der Abteilung Kurzzeitpflege und Akut- und Übergangspflege (24 Plätze) haben wir verglichen mit anderen Pflegeheimen eine hohe Fluktuation, da hier die Bewohnerinnen und Bewohner meist auf einen Platz in ihrem Wunschheim warten. Dann haben wir noch unsere Langzeitabteilung (38 Plätze). Hier leben die Bewohnenden meistens bis ans Lebensende. Das Angebot der geschlossenen Abteilung für Menschen mit Demenzerkrankungen (16 Plätze) ermöglicht diesen Bewohnern ein sicheres und geborgenes Umfeld mit grossem geschütztem Gartenbereich. Unsere Kolleginnen des Aktivierungsteams bieten möglichst allen Bewohnerinnen und Bewohnern
sinnvolle Alltagsbeschäftigungen und Aktivierungen an.

 

Wer meint, im Pflegezentrum sei es nicht so wichtig, dipl. Pflegefachpersonal HF zu haben, ist auf dem Holzweg.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit dem Spital Zofingen resp. dem KSA?
Unsere Zusammenarbeit mit dem Spital Zofingen und KSA läuft gut. Wir erhalten von der jeweiligen Institution eine Anfrage per E-Mail oder Telefon, ob wir freie Zimmer haben. Die Anfragen gelangen vom Case Management oder Sozialdienst an uns. Auch andere Spitäler und die PDAG gelangen mit solchen Anfragen direkt an uns. Es gibt auch Anmeldungen direkt von zu Hause, welche meistens eher einen vorsorglichen Charakter haben. Wir haben eine sehr gute Bewohnerberatung etabliert. Unsere Beratung unterstützt die Bewohnenden und deren Angehörigen in allen erdenklichen Fragen und findet immer Lösungen.

Was ist die grösste Herausforderung, mit der Sie im Alltag konfrontiert sind?
Hätten Sie mir diese Frage vor einem halben Jahr gestellt, hätte ich, ohne zu zögern, Covid-19 gesagt! Aber eigentlich ist meine grösste Herausforderung der Mangel an dipl. Pflegefachpersonal HF. Wer meint, im Pflegezentrum sei es nicht so wichtig, dipl. Pflegefachpersonal HF zu haben, ist auf dem Holzweg. Unsere Bewohnerinnen und Bewohner haben sehr komplexe Krankheitssituationen und sind sehr vulnerabel. Der Markt ist staubtrocken und die jungen Pflegefachpersonen zieht es nicht in die Langzeitpflege, obwohl das äussert interessant und vielseitig ist und viel Beziehungsarbeit geleistet werden kann. Ich hatte das als junge Pflegende auch völlig unterschätzt und mich erst mit reiferem Alter für diese Tätigkeit interessiert. Es ist auch eine gute Gelegenheit, um einen Wiedereinstieg in die Pflege zu wagen. Ich war 16 Jahre weg vom Pflegeberuf und habe es so auch wieder geschafft.

Was sind Ihre Visionen/Ziele für die Zukunft bezüglich Entwicklung Pflegezentrum?
Meine Visionen oder Ziele für eine Entwicklung des Pflegezentrums bestehen vor allem darin, dass es weiterhin eine hochstehende Pflege mit dem bisherigen Angebot anbieten muss. Ich könnte mir auch eine weitere Spezialisierung Richtung beatmete Langzeitpatientinnen und ALS-Patienten vorstellen. Es wäre auch wichtig, ein zweites Hospiz im Kanton Aargau zu eröffnen, um den letzten Lebensabschnitt so gut wie nur immer möglich zu begleiten. Mit mehr Pflegeplätzen könnten wir auch ein Angebot von Tages- und/oder Nachtstruktur zur Entlastung der Angehörigen aufbauen.

Zum Abschluss, gibt es eine schöne Geschichte, welche Ihnen in Erinnerung bleibt?
Es gibt viele schöne Geschichten, die mir in Erinnerung bleiben werden. Wir konnten letztes Jahr im Mai eine Bewohnerin feiern, die 30 Jahre ihres Lebens im Pflegezentrum mit allen Höhen und Tiefen verbracht hat. Die Feier war im kleinen Rahmen, natürlich mit Mundnasenschutz und ohne Gäste. Aber die Freude aller Beteiligten war riesengross!

Pflegezentrum Spital Zofingen

Inbetriebnahme: 1984 als Krankenheim
Umzug Neubau: 2014
Betten: 94 Betten
Personal: Über 90 Mitarbeitende
Angebot: Akut – und Übergangspflege, Kurzzeitpflege, Langzeitpflege,
spezielle Pflege für Demenz, Psychogeriatrie und Ferienbett
Erweitert: Ärztliche Betreuung durch Fachärzte des Spitals, Seelsorge/Gottesdienst,
Aktivierungstherapie, Coiffeur, Fusspflege und Podologie
Infrastruktur: Ein- und Zweibettzimmer (inkl. Toilette und Dusche), Aufenthaltsraum
mit Küche, Loggien, Restaurant und Park

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