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Ralph Schröder, 18.02.2019

Claudia König: Prozess-Projektleiterin und Samba-Reggae-Band-Leaderin

Als Gründerin der einzigen Samba-Reggae-Band der Schweiz sorgt die 44-jährige Dr. phil. Claudia König in ihrer Freizeit für rhythmisches Trommelfeuer und versprüht Lebensfreude.

Claudia König spürt den Rhythmus, spürt die Schwingungen, die musikalischen wie auch die menschlichen und zwischenmenschlichen. Und wenn sie spricht, dann sprudelt es nur so aus ihr heraus, überträgt sich ihre Energie, versprüht sie Lebensfreude, einen positiven Geist. Blitzschnell erfasst sie Situationen, analysiert messerscharf, ortet vorhandene Defizite und Verbesserungspotenziale. Und wo andere sich in stundenlangem Abwägen und Betrachten eines Problems üben und vor lauter Hindernissen nicht vom Fleck kommen, arbeitet sie bereits an der Lösung. Lamentieren ist nicht die Sache von Claudia. Aus den gegebenen Umständen und Mitteln mit den vorhandenen Ressourcen stets das Beste für alle Beteiligten herauszuholen, dafür setzt sie ihre Energien ein, sowohl im Beruflichen wie im Privaten. Und was sie anpackt, das tut sie stets mit Leidenschaft und einer ansteckenden Begeisterung. Was die grosse Blonde anreisst, das hat meist Zug, und wer auf diesen Zug mit aufspringt, wird den frischen Wind spüren, um den es Claudia geht. Und Spass machen darf und soll alles, was man auf diese Weise tut. Kurz und gut: Wer gerne mit jemandem Pferde stiehlt und etwas auf die Beine stellen will, der ist bei Claudia an der richtigen Adresse.                                                       

Claudia König

 

"Das KSA ist einfach ein cooles Spital"

Woher sie dieses Temperament hat, diese Energie und diesen ungezähmten Willen, ist schwer zu sagen. Geförderte Unkonventionalität spielt dabei sicher eine Rolle, das unbeschwerte Verfolgenkönnen der eigenen Interessen, das Bewahrendürfen der Neugierde und keine Berührungsängste gegenüber Fremdem spüren, anders sein dürfen. Mit solchen Voraussetzungen und Freiheiten ist Claudia auf jeden Fall aufgewachsen, ein liberales und akademisches Elternhaus auf der Sonnenseite des Zürichsees (Zollikon) hat diese Entwicklung zweifellos begünstigt und gefördert. Als Klein Claudia im staatlichen Kindergarten ein Autoritätsproblem unterstellt wird, weil sie sich wider das damals gängige Geschlechterrollenverständnis verhält und sich regelmässig statt in der «Bäbistube für Meitli» in der für Buben reservierten Bauwerkstatt einfindet, beschliessen die Eltern, sie zunächst in eine «antiautoritäre» Privatschule einzuschulen. Das hat sie mitgeprägt, auch wenn der spätere Wechsel in die staatliche Schule deswegen zunächst nicht ganz reibungslos verlief.

Die Matura hat sie dann dennoch geschafft. Und entscheidend geprägt hat sie bis heute ein vor der Matura absolviertes Schüleraustauschjahr in Brasilien, in Salvador da Bahia, einem Brennpunkt der afrobrasilianischen Kultur. Hier hat sie erfahren, was es heisst, unter ganz anderen, schwierigeren Bedingungen zu leben, und hier ist sie auf einen Rhythmus gestossen, der sie bis heute begleitet und Teil ihres Lebens geworden ist: den Samba-Reggae. Samba-­Reggae ist ein in Salvador da Bahia entstandener Musikstil, der Elemente des Samba und des Reggae miteinander verbindet, ein archaisch tanzender und getrommelter Rhythmus, dessen Urkraft man sich kaum entziehen kann. Er ist – mit dem Blues vergleichbar – entstanden als Ausdruck einer sozialen Bewegung, die ihre Wurzeln in der Sklaverei und der Sklavenbefreiung hat. Salvador da Bahia war im 19. Jahrhundert eine Drehscheibe des südamerikanischen Sklavenhandels.

Bis heute verbindet Claudia eine tiefe Beziehung zum damaligen Gastland, zu ihrer Gastfamilie, zur dortigen Musikszene, spricht fliessend brasilianisch-portugiesisch und verbreitet seit der Gründung der eigenen Samba-Reggae-Band «Ilù Àiya» 2012 auf den Strassen und in Lokalen rund um Zürich afrobrasilianisches Lebensgefühl und rhythmisches Trommelfieber.

Doch bis zu dieser Band-Gründung und bis sie schliesslich beruflich im KSA landet, passiert noch ganz vieles im Leben von Claudia. Sie studiert Soziologie, Publizistik und Völkerrecht, wird sehr früh Assistentin an der Uni, dissertiert in Soziologie – Gesundheits- und Bildungsfragen stehen im Zentrum ihrer akademischen Beschäftigung. Sie arbeitet nebenbei fürs Fernsehen, dreht Filme in New York, heiratet, bringt den Rollschuh-Hype aus den USA in den 1990er-Jahren in die Schweiz und gründet die erste und bis heute existierende Rollschuh-Disco in Zürich mit, löst ihre Ehe wieder auf, absolviert ein Postdoc in Epidemiologie in Kanada, wird Professorin und baut während 6 Jahren u. a. die Forschungsstelle am Institut für Hebammen an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW auf, bis sie genug hat, den Fokus von der Theorie und der Forschung mehr auf die Praxis legen möchte. Der Weg vom «akademischen Zenit» in eine normal Anstellung allerdings ist dann schwerer als gedacht. Schliesslich findet die in Gesundheitsthemen hochqualifizierte Claudia eine Anstellung in einem Unternehmensberatungsbüro und beginnt Projekte mit Gesundheitsinstitutionen umzusetzen. So trifft sie aufs KSA, auf Sergio Baumann und ihre heutige Chefin Nicole Sehringer. Die Chemie stimmte, weswegen sie angesichts der zahlreichen Bauprojekte und des bevorstehenden Neubaus das Angebot nicht ausschlägt, künftig vollständig fürs KSA zu arbeiten. Seit letztem Mai hilft sie mit ihrem Know-how mit, dass bei Umbau- und Neubauprojekten (neues Laborgebäude H 2, Therapiehaus H 14), die Bedürfnisse aller Nutzer beim (Um)Bau einfliessen und umgesetzt werden.

Und fürs private Feuer sorgt sie wie gesagt mit ihrer Band «Ilù Àiya». Wöchentliche Proben gehören dazu und natürlich Konzert- und Spontanauftritte. «Trommeln mit Herz», das bedeutet «Ilù Àiya». Kein Wunder, dass sich Claudia im Spital mit Kopf, Hand und Herz wohl fühlt. Ganz ehrlich und mit voller Überzeugung sagt sie nämlich: «Das KSA ist ein cooles Spital.» In Brasilien würde man wohl «hot» sagen.

Autor

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Redaktor/Stv. Mediensprecher

Nach langjähriger Tätigkeit als Lehrer, Korrektor, Redaktor und Verlagsleiter ist Ralph Schröder seit 2011 ein engagierter und bedachter Texter für das KSA, der es jederzeit versteht, dem geschriebenen Wort Verständnis und Sinn einzuimpfen.