Blutentnahme im Blutspendezentrum Aarau (Haus 40)
Ralph Schröder, 03.08.2020

Die Blutzentrale des Spitals

«Spende Blut, rette Leben!» – jeder kennt diesen Slogan, mit dem das SRK Schweiz zum Blutspenden aufruft. Zeit um mehr über die wichtige Institution und ihren überlebenswichtigen Auftrag zu erfahren.

Seit Jahrzehnten ruft die Blutspende SRK Schweiz mit ihrem Slogan zum Blutspenden auf. Eines ihrer regionalen Zentren befindet sich auf dem KSA-Areal in Haus 40, dem Hauptstandort des regionalen Blutspendedienstes Aargau-Solothurn. Seit Jahrzehnten besteht eine enge Kooperation mit dem Kantonsspital Aarau.

Blut ist überlebenswichtig, Blut ist ein kostbares Gut und trotz seiner Eigenschaften als biologisch «nachwachsender» Rohstoff weder unendlich verfügbar noch ewig haltbar oder künstlich reproduzierbar. Ohne Blut sind wir nicht überlebensfähig und ohne verfügbares Blut wären weder die moderne Medizin noch die Spitäler bei vielen Krankheitsfällen handlungs- und behandlungsfähig.

Blut rettet Leben, das wissen wir alle. Und Blut spenden ist bis heute die einzige Möglichkeit, dieses kostbare Lebens- und Überlebenselixier zu gewinnen, verfügbar zu halten und aufzubereiten. Doch Blut ist nicht gleich Blut, seine Eigenschaften sind von Mensch zu Mensch verschieden und nur unter bestimmten Voraussetzungen teilbar, übertragbar und verwendbar. In der Schweiz sind deshalb für die Blutgewinnung und -aufbereitung speziell dafür beauftragte, unter den Bestimmungen des BAG und der Aufsicht der Swissmedic stehende Zentren mit entsprechend ausgebildetem Personal zuständig.

Lagerung von Blutprodukten
Kühle Lagerung von Blutprodukten im Labor des Blutspendezentrums Aarau

Eine jahrzehntelange Kooperation
Die regionalen Blutspendedienste der Schweiz, allesamt Mitglieder der nationalen Non-profit-­Organisation Blutspende SRK Schweiz, sorgen schweizweit für die Bereitstellung und Auf­bereitung von sicheren und qualitativ einwandfreien Blutprodukten für die Versorgung von Patientinnen und Patienten im Land.

Die als Stiftung organisierte Blutspende SRK Aargau-Solothurn ist eine von insgesamt elf Blutspendezentren in der Schweiz. Der Hauptstandort des Zentrums mit acht regionalen Aussenstellen (Baden, Brugg, Grenchen, Menziken, Muri, Olten, Solothurn und Zofingen) befindet sich in Aarau, genauer auf dem Gelände des KSA-Areals im Haus 40, wo er die Räumlichkeiten mit den Abteilungen Onkologie und Hämatologie teilt. Das Haus 40 im Südosten des Areals befindet sich im Eigentum der ­Stiftung Blutspende SRK Aargau-Solothurn. Die Onkologie und Hämatologie des KSA sind hier eingemietet.

Vielen KSA-Mitarbeitenden und Besuchenden ist vielleicht gar nicht bekannt oder bewusst, dass das Blutspendezentrum (BSZ) im Haus 40 organisatorisch, aber auch was die Besitzverhältnisse betrifft, gar nicht zum KSA gehört. Das BSZ ist nämlich eine eigenständige Organisation, auch wenn sie zahlreiche Supportleistungen wie beispielsweise die Mate­rial­bezüge, spitalpharmazeutische Leistungen, den Reinigungs- und Telefon- sowie den Technischen Dienst oder die Lohnverwaltung direkt vom KSA bezieht. Die BSZ-Mitarbeitenden haben vergünstigten Zugang zu den Personalrestaurants und erhalten wie alle KSA-Angestellten monatlich die Mitarbeiterzeitschrift «inform». Kein Wunder also, dass man die BSZ-Mitarbeitenden im Grunde zur grossen KSA-Familie zählt, de facto ist dem aber nicht so. Daniel Zimmermann, Leitung Finanzen und HR und langjähriges Mitglied der Geschäftsleitung der Blutspende SRK Aargau-Solothurn, dazu:

«Wir pflegen eine seit Jahren enge und gute Kooperation mit dem KSA. Natürlich werden sämtliche Supportleistungen, die wir vom KSA beziehen, finanziell im Rahmen eines langjährig bestehenden Kooperationsvertrages abgegolten.»


Von der Spende zu den Blutprodukten
Die räumliche Nähe hat sowohl historische als auch medizinisch-logistische Gründe. Bereits bevor der Blutspendedienst 1996 gesamt­schweizerisch von insgesamt 60 Diensten auf 11 regionale Zentren reorganisiert worden ist, arbeitete der Blutspendedienst in Aarau schon eng mit der Onkologie/Hämatologie und Trans­fusions­medizin zusammen, damals noch im demnächst dem Neubau weichenden Gebäude Haus 11 unter dem ehemaligen Chefarzt Dr. Martin Wernli. Neben dem Notfall und dem OP gehören die Hämatologie und die Onkologie zu den Hauptabnehmern von Blutprodukten. Dass die Hämatologie, die sich mit Blut- und Gerinnungserkrankungen befasst, besonders auf Blutprodukte angewiesen ist, liegt auf der Hand, ebenso die Onkologie, weil viele Krebserkrankungen mit einer Anämie (umgangssprachlich Blutarmut) einhergehen und zusätzlich zur Behandlung mit Blut versorgt werden müssen. Insgesamt bezieht das KSA rund 50% der jährlich aus den über 20000 Vollblutspenden regionaler Spender gewonnenen Blutprodukte aus dem BSZ in Aarau.

Aus einer sogenannten Vollblutspende können und werden im BSZ je nach Verwendungszweck durch Zentrifugation und Separation drei Hauptprodukte hergestellt, lagerungsfähig aufbereitet und in eigenen Räumlichkeiten bei unterschiedlichen Temperaturen gelagert: Erythrozyten-Konzentrate, die aus den roten Blutkörperchen bestehen und bei akuter oder chronischer Blutarmut eingesetzt werden, das Blutplasma (Blutflüssigkeit) mit wichtigen Eiweissen für die Gerinnung und Abwehr von Infektionen, das zum einen als Plasma zur Transfusion, aber auch zur Herstellung von Medikamenten für die Pharmaindustrie produziert wird, und als letztes Thrombozytenkonzentrate (Blutplättchen), die beispielsweise zur Vorbeugung und Behandlung von Blutungsneigungen, bei starken Blutungen oder Erkrankung der Thrombozyten verwendet werden. Thrombozytenkonzentrate werden neben Vollblutspenden auch aus sogenannter Apherese gewonnen, bei der dem Spender mittels Apheresemaschine nur Thrombozyten entnommen werden.


Mirjam Meier BSZ

Mirjam Meier
Bereichsleiterin Entnahme im Blutspendezentrum
 
In der Blutentnahme. Die 49-jährige Mirjam Meier ist dipl. Pflegefachfrau, arbeitet nach Tätigkeiten im Kantonsspital Solothurn, der Hirslandenklinik Aarau und der Pallasklinik in Aarau seit 2010 fürs Blutspendezentrum Aargau-Solothurn und ist seit dem 1. Februar dieses Jahres Bereichsleiterin der Entnahme mit einem Pensum von 80%. Sie ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt in Däniken.

Was gefällt dir an deiner Arbeit im BSZ besonders?
Die Arbeit als Bereichsleitung Entnahme im Blutspendezentrum ist sehr vielseitig und spannend. Ich habe ein tolles Team mit kompetenten und hilfsbereiten Mitarbeitenden und wir haben eine gute und kollegiale Arbeitsatmosphäre hier im Haus. Der Kontakt mit den vielen verschiedenen Menschen macht mir grossen Spass.

Welches sind die Herausforderungen bei deiner täglichen Arbeit?
Es gibt immer wieder kleinere und grössere Herausforderungen. Eine gute Kommunikation ist sehr wichtig. Momentan beschäftigen mich natürlich vor allem die stetig wechselnden Vorschriften und Änderungen wegen dem Coronavirus. Die Beschaffung von genügend Schutz­masken und Desinfektionsmitteln usw.

Wie erlebst du die «räumliche» Nähe zum KSA, gibt es Kontakte zum Spital, zu Mitarbeitenden und in welcher Form?
Wir sind im Haus 40 weit vom Haupthaus weg. Den engsten Kontakt haben wir natürlich zu den Mitarbeitenden, Ärztinnen und Ärzten der Onkologie-/Hämatologieabteilung. Es sind immer wieder schöne Begegnungen z.B. in der hauseigenen Cafeteria beim Mittagessen oder unserer täglichen Arbeit bei den Patienten mit therapeutischen Dienstleistungen. Dann sind da noch unsere zwei Perlen vom Reinigungsdienst und das Küchenpersonal, die immer wieder tolle Arbeiten für uns erledigen; der technische Dienst, der Einkauf und das Zentrallager, die uns immer wieder hilfsbereit unterstützen. Toll ist auch die Zusammenarbeit mit der Medizinischen IPS und den Pflegeabteilungen, wenn wir dort einen Plasmaaustausch machen, und dem Institut für Labormedizin, wenn wir Stammzellsammlungen haben. Und natürlich freuen wir uns auch immer, wenn wir KSA-Mitarbeiter als Vollblut- oder Thrombapherese-Spender bei uns begrüssen dürfen.


Die logistische Herausforderung
Eine besondere und die grösste Herausforderung für das BSZ ist neben der Qualitätssicherung bei der Aufbereitung der Produkte deren sehr unterschiedliche Haltbarkeit und damit Verfügbarkeit. Während Blutplasma bei unter –25°C einige Monate haltbar bleibt, beträgt diese für Erythrozytenkonzentrate, die bei 4°C gelagert werden, nur 6 bis 7 Wochen und bei Thrombozytenkonzentraten, die Raumtemperatur benötigen, gerade mal maximal 7 Tage. Bei der Gewinnung und Herstellung der einzelnen Produkte spielt deswegen der Haltbarkeitsfaktor eine entscheidende Rolle, insbesondere bei den Thrombozytenkonzentraten, die zeitnah vor ihrer indizierten Verwendung gewonnen werden müssen.

Blutspende-Barometer
Blutspendenbarometer auf der Website der Blutspende SRK Aargau-Solothurn; Screenshot, 28.7.2020

 

Erschwerend kommt hinzu, dass bei der Herstellung von Blutplasma und den Erythrozytenkonzentraten die Blutgruppenzugehörigkeit und die sehr unterschiedliche Verteilung der insgesamt 8 menschlichen Blutgruppen (0+, A+, B+, AB+, O–, A–, B–, AB–) in der Gesamtbevölkerung eine wichtige Rolle spielt. In der Schweiz entfallen rund 38% auf A+ und 35% auf 0+, der Rest auf die selten bis sehr selten vorkommenden Blutgruppen. Bei Nichtverfügbarkeit eines Produkts der seltenen Blutgruppen kann glücklicherweise auf die hohe Verträglichkeit der Blutgruppen 0+ und 0– mit anderen Gruppen zurückgegriffen werden, wobei auch hier schwierige Konstellationen bestehen bleiben (die seltene Blutgruppe 0– beispielsweise kann allen Gruppen spenden, selbst jedoch nur 0– empfangen). Ein Blutspendebarometer auf der Homepage der Blutspende SRK Aargau-Solothurn weist im Übrigen den aktuellen Lagerbestand je Blutgruppe in der Region aus. Die regionalen Zentren dokumentieren die Verfügbarkeit ihrer Produkte täglich und stellen im Notfall und bei Engpässen auch die überregionale Lieferung von Blutprodukten in der Schweiz sicher.

Die Logistik der Verfügbarkeit und der Lagerung der verschiedenen Blutprodukte gehört deswegen zu den grössten Herausforderungen eines Blut-
spendezentrums. Und dessen Bewältigung steht und fällt natürlich mit der Anzahl an geeigneten und in Bereitschaft stehenden freiwilligen Blutspendern. Die Blutspende in der Schweiz ist freiwillig, aber nicht alle können Blut spenden. Bei jeder Spende werden umfassende Abklärungen zum Ausschluss von Risikogruppen vorgenommen und anschliessend mittels Tests und Befragungen mögliche Risiken ausgeschlossen, um einwandfreie Blutprodukte zu garantieren.

Blutspendezentrum

 

Die freiwillige Blutspende
Das BSZ Aargau-Solothurn verfügt seit Jahren über eine mehr oder weniger konstante Zahl an verfügbaren Stammspendern, die je nach Blutgruppenzugehörigkeit und Bedarf in entsprechend zeitlichen Abständen per Brief, E-Mail oder auch telefonisch zur Spende aufgeboten werden. Hinzu kommen spontan vorbeikommende freiwillige Blutspender. Die Suche nach geeigneten Spendern bleibt aber eine konstante Aufgabe und Herausforderung aller BSZ. Das Durchschnittsalter der Stammspender ist gegenüber früheren Jahren nach oben gestiegen und liegt heute bei 40+. Mit neuen Kampagnen will das Blutspendezentrum vor allem jüngere Spenderinnen und Spender gewinnen.

Das BSZ Aargau-Solothurn verfügt neben dem Hauptstandort Aarau, wo sämtliche Blutspenden labortechnisch aufbereitet und bis zur Auslieferung auf Bestellung gelagert werden, über acht Aussenstellen, wo zu offiziellen Öffnungszeiten Blut gespendet werden kann, so in Baden, Brugg, Grenchen, Menziken, Muri, Olten, Solothurn und Zofingen. Die meisten Blutspendestellen sind an ein Spital oder ein Gesundheitszentrum angebunden. Darüber hinaus werden mobile Blutspende­aktionen in Zusammenarbeit mit weiteren Institutionen (v. a. Samaritervereinen) organisiert und seit 2018 steht ein mobiler Blutspendebus in der Region regelmässig im Einsatz.


Barbara Kramer BSZ

Barbara Kramer
Stv. Leitende BMA im Blutspendezentrum
 
Im Labor. Die 47-jährige Barbara Kramer ist Biomedizinische Analytikerin, arbeitet nach einer ersten Tätigkeit als BMA im Stadtspital Triemli in Zürich seit 1997 im Blutspendezentrum Aarau, seit 2010 in der Funktion der stv. Leitenden BMA im Labor. Sie ist verheiratet und lebt in Reidermoos/LU.

Was gefällt dir an deiner Arbeit im BSZ besonders?
Die Vielfältigkeit. Obwohl wir ein eher kleines Labor sind, führen wir Tests in diversen Fachgebieten durch (Immunhämatologie, Infektmarkertestung, Molekularbiologie usw.). In grösseren Labors muss man sich meist für ein Fachgebiet entscheiden. Da wir für Aargau / Solothurn in der Immunhämatologie das Referenzlabor sind, erhalten wir immer wieder sehr interessante Fälle, sodass es mir auch nach über 20 Jahren im BSZ noch nie langweilig geworden ist. Und als Letztes haben wir ein super Laborteam. An dieser Stelle herzlichen Dank an alle meine Kolleginnen!

Welches sind die Herausforderungen bei deiner täglichen Arbeit?
Spezielle Antikörper-Abklärungen sowie die Einführung von neuen Geräten oder Analysen stellen immer wieder eine Herausforderung dar.

Wie erlebst du die «räumliche» Nähe zum KSA, gibt es Kontakte zum Spital, zu Mitarbeitenden und in welcher Form?
Obwohl wir auf dem KSA-Areal sind, gibt es eigentlich sehr wenig direkten Kontakt zum Spital, der über die normale Zusammenarbeit hinausgeht. Mit dem Institut für Labormedizin arbeiten wir zusammen, was die Betreuung der Studierenden BMA angeht. Es fühlt sich ein wenig an, als wäre das BSZ eine kleine Insel, die irgendwie doch zum grossen KSA gehört.


KSA Absender icon102 Mitarbeitende beschäftigt die Blutspende SRK Aargau-Solothurn
  • 1 Chefarzt
  • 2 Assistenzärzte
  • 20 Mitarbeitende im Labor/Transport
  • 13 Mitarbeitende in der Produktion
  • 20 Mitarbeitende auf der Equipe
  • 10 Mitarbeitende in der Entnahme Aarau
  • 20 Mitarbeitende in der Entnahme aller Aussenstellen
  • 16 Mitarbeitende in den Bereich Administration / HR / Marketing / Dokumentenlenkung / Buchhaltung / IT

Autor

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Redaktor/Stv. Mediensprecher

Nach langjähriger Tätigkeit als Lehrer, Korrektor, Redaktor und Verlagsleiter ist Ralph Schröder seit 2011 ein engagierter und bedachter Texter für das KSA, der es jederzeit versteht, dem geschriebenen Wort Verständnis und Sinn einzuimpfen.