Ralph Schröder, 27.12.2019

Die Gastgeberin mit einem Label und Faible für Handtaschen

Die 47jährige Samantha Studer arbeitet seit 2016 in der Hotellerie als Gastgeberin für Privatpatient*innen und neu seit dem 1.10.2019 als Gruppenleiterin der Gastgeberinnen im Geburtshaus "Nordstern".

In ihrer Freizeit näht sie Handtaschen und andere textile Accessoires unter ihrem eigenen Label: «Sämy’s ART – säubergmachts».

Sämys Art ist es, nicht lange zu überlegen, wenn es darum geht, etwas zu entscheiden. Samantha Studer oder eben «Sämy», wie sie von ihren Bekannten, Freunden und von der Familie mit Rufnamen genannt wird, gehört zu denjenigen, die die Dinge pragmatisch angehen, nicht lange hin und her überlegen und abwägen, bevor sie handeln. Das war schon immer so, auch wenn sie früher damit nicht durch jede Wand gekommen ist, durch die der Kopf wollte. Heute sagt sie: «Das Leben lehrt dich zu schätzen, was du hast.» Was für einige vielleicht etwas abgedroschen klingen mag, meint Samantha durchaus ernst. Ihr Werdegang, der berufliche insbesondere, der mit zahlreichen, aber nicht immer freiwilligen Veränderungen einhergegangen ist, hat sicher einiges zu dieser Haltung beigetragen.

«Sämy» respektive Samantha ist in Locarno im Tessin geboren, wächst aber mit ihrer alleinerziehenden Mutter in Albisrieden im Kanton Zürich auf. Zumindest bis zum zehnten Lebensjahr, bevor sie mit der Mutter und deren neuem Partner in jene Region umzieht, die bis heute trotz zahlreicher Orts- und Wohnungswechsel zu ihrer bevorzugten Wohnregion geworden ist: die Region Olten/ Zofingen. Zunächst nach Rothrist und fürs letzte Schuljahr dann nach Zofingen.

Pragmatisch, wie Samantha schon als Jugendliche war, entschliesst sie sich zu einer einjährigen Ausbildung zur Telefonistin bei der PTT, wie das damals noch nicht in Telekom- und Postdienstleistungen aufgeteilte Unternehmen hiess. Wir befinden uns in den 1980er-Jahren, das Handy-Zeitalter hat noch nicht begonnen. Wer eine Telefonnummer suchte oder sich telefonisch wecken lassen wollte, der rief den Auskunftsdienst (111) oder den Auftragsdienst (145) an. Telefonistinnen waren gefragte Leute. Mit einem 15-monatigen Welschlandaufenthalt in Genf als «Jeune Fille» (Au Pair) mit halbtägiger Schule überbrückt Samantha die Zeit bis zum Lehrbeginn. Eine wichtige Zeit für «Sämy», die, erstmals von zu Hause weg, das Leben als junge Teenagerin geniesst, bevor der Ernst beginnt. Zwei Jahre hat sie nach ihrer Lehre bei der Telecom PTT in Olten gearbeitet, bevor sie nach einem weiteren dreimonatigen Sprachaufenthalt in den USA (San Diego) beschliesst, sich nach einem anderen Arbeitgeber umzuschauen. Doch die Suche nach einer Stelle in einem Empfang als Telefonistin gestaltet sich schwierig. Sie sei noch zu jung, heisst es meist. Samantha ist da schon 20-jährig.

«Ich bin durch und durch Pragmatikerin.»

Mangels Alternativen nimmt sie einen Fabrikjob in der Bandweberei Kuny AG in Küttigen an, was sie bis heute nicht bereut hat. «Ich habe in den 2½ Jahren dort viel Lebenserfahrung gesammelt», sagt sie heute rückblickend. Geblieben ist sie aber nicht, weil sie ein temporäres Angebot im Empfang einer Aarauer Druckerei erhielt und annahm, und als ihr die PTT/Telecom ein Jobangebot im Störungsdienst – auch das gab es damals noch – mit Ausbildung als Technische Operatrice macht, nimmt sie diese an. Doch die PTT steht kurz vor der Unternehmensaufteilung in Post und Swisscom (1997). Samanthas Arbeitsplatz wird nach Biel/Bienne verlegt. Doch das Pendeln von Oftringen, wo sie inzwischen wohnt, nach Biel, fällt ihr schwer, sie wechselt deshalb in den Abodienst nach Aarau und wird bald darauf aufgrund von erneuten Restrukturierungen wieder ins neue SwisscomKundencenter nach Olten beordert, wo Sämy auch nicht glücklich wird. Privat hingegen ist Samantha glücklich. Seit 1999 ist sie verheiratet, wird 2000 erstmals Mutter und 2002 zum zweiten Mal. Die Frage nach der beruflichen Zukunft stellt sich zunächst nicht mehr, Samantha widmet sich ihren Kindern. Die Erfahrung als Schlüsselkind, wie sie sie machen musste, wollte sie ihren Kindern ersparen. Als die Kinder grösser werden, beginnt sie mit einfachen Teilzeitjobs in der Reinigung und im Verkauf. Doch Samantha möchte mehr: eine schöne Arbeit, bei der sie sich entfalten und ihre Persönlichkeit einbringen kann. Als dann ihre Nachbarin in Gunzgen/SO, wo sie mittlerweile im eigenen Haus mit der Familie wohnt, von einer frei werdenden Stelle als Gastgeberin im KSA erzählt, bewirbt sie sich und bekommt nach kurzer Wartezeit eine 40%-Stelle in Haus 7 angeboten.

Die Arbeit als Gastgeberin auf der Privatstation gefällt ihr, der Patientenkontakt, die Zusammenarbeit mit der Pflege, das Spitalumfeld. Ihre lebensfrohe Art kann sie hier einbringen sowie ihre mittlerweile grosse Erfahrung, die ihr dazu verhilft, auch schwerkranken Menschen ihr Ohr zu leihen. Als dann 2017 die ersten hebammengeleiteten Geburten im Haus 16 angeboten und auch hierfür Gastgeberinnenstellen geschaffen werden, stockt Samantha im November 2018 auf 70% auf. Ihre guten Leistungen werden belohnt. Mit der Eröffnung des neuen Geburtshauses «Nordstern» (Haus 44) am 1. Oktober 2019 wird Samantha Gruppenleiterin der drei dort aktuell arbeitenden Gastgeberinnen.

Dass Samantha als Gastgeberin gewissermassen in die Fussstapfen ihrer Mutter getreten ist, die lange Jahre als Hotelfachfrau gearbeitet hat, hätte sie wohl als junge Frau auch nicht gedacht. Und dass sie heute wie ihre Mutter, die vor Jahren schon ins professionelle Nähen eingestiegen ist, ihre Freizeit dem Nähen widmet, wohl auch nicht. Aber die Nähmaschinen werden nun mal weitervererbt ebenso wie das dazugehörende Talent. Samanthas Kreationen finden überall Anklang, ihre besondere Art zu nähen und ihre Sujets und Formen auszuwählen. Und so wird aus Sämys Art bald einmal «Sämy’s ART». «Sämy» näht Handtaschen und anderes für jedes Portemonnaie.

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Redaktor/Stv. Mediensprecher

Nach langjähriger Tätigkeit als Lehrer, Korrektor, Redaktor und Verlagsleiter ist Ralph Schröder seit 2011 ein engagierter und bedachter Texter für das KSA, der es jederzeit versteht, dem geschriebenen Wort Verständnis und Sinn einzuimpfen.