Marcel Beyeler, 29.11.2019

Fachexpertin Integration: Kopf, Hand und ein Herz für Afrika

Die 59-jährige Rita Bossart Kouégbé ist seit 2010 als Fachexpertin Integration im KSA tätig.

Als langjährig praktizierende dipl. Pflegefachfrau, Study Nurse und promovierte Ethnologin mit grosser Erfahrung im Umgang mit anderen Kulturen ist sie für ihre Aufgabe prädestiniert. «Kulturübergreifend» ist sie auch privat unterwegs, als Ehepartnerin eines Ivorers und Mutter zweier afrikanischer Stieftöchter.

Um es gleich vorwegzunehmen: Selten habe ich am KSA jemanden getroffen und kennen gelernt, auf den unser Spitalmotto «mit Kopf, Hand und Herz» mehr zutrifft als auf Rita Bossart Kouégbé. Nicht nur weil sie dieses Motto als Ethos versteht, als eine Haltung, die auf das positive Zusammenspiel und Miteinander menschlicher Befähigungen vertraut und daraus ihre Motivation schöpft, sich für das gegenseitige Wohl und Verständigung aller einzusetzen, sondern weil sie dieses Motto seit jeher auch persönlich konsequent lebt. Im Privaten sowie in ihrem sozialgesellschaftlichen Engagement für Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, durch Krankheit oder andere, nicht selbst verschuldete Gründe nicht oder nur schwer teilhaben können an menschenrechtlich verbürgten Werten wie Gesundheit, Freiheit, Gleichheit, Bildung, Arbeit usw. Eine Sache mit Kopf angehen und durchdenken, die Hand reichen und wenn nötig selbst mit anpacken und mit Herz agieren, mit dieser Lebenseinstellung ist Rita seit jeher, ja von klein auf unterwegs. Und mit dem Glauben, dass Gutes tun auch Gutes bewirkt. «Es mag vielleicht naiv klingen, aber ich glaube zunächst mal immer an das Gute in den Menschen», sagt sie. In der christlich-humanistischen Tradition aufgewachsen und verwurzelt, schöpft sie daraus ihre Energie und Kraft.

Integration ist ein weiter und abstrakter Begriff, zumal für ein Spital, bei dem man zunächst die Relevanz dieses Begriffs und damit die Tätigkeit, die Rita Bossart hier als Fachexpertin Integration ausübt, nicht auf Anhieb zu verstehen mag. Dass Rita sich um die Überwindung von Sprachbarrieren im Spital kümmert, d. h. im Rahmen eines von ihr erarbeiteten Dolmetschkonzepts mit internen und professionellen externen Übersetzern dafür sorgt, dass hier behandelte Menschen, welche die deutsche Sprache nicht oder noch nicht ausreichend beherrschen, dennoch ihr gesetzlich verankertes Recht auf Information erhalten, werden viele vielleicht wissen. Doch das ist nur ein Teilaspekt ihrer Arbeit, wenn auch ein wichtiger. Zur Verdeutlichung:

Im letzten Jahr wurden am KSA über 2000 Dolmetschaufträge abgewickelt.

Doch Integrationsförderung meint nicht nur das Überwinden von Sprachbarrieren mittels Dolmetsch­konzept, Sprachförderungkursen oder das Angebot von fremdsprachigen Geburtsvorbereitungskursen für Migrantinnen, sondern auch die Sicherstellung von Chancengleichheit und Diskriminierungsfreiheit für Mitarbeitende mit Migrationshintergrund, aber auch die unternehmensinterne Sensibilisierung für transkulturelle Themen, für den vorurteilsfreien und respektvollen Umgang untereinander (Mobbing, sexuelle Belästigung usw.) und ethische Fragestellungen im Zusammenhang mit Sterben und Tod oder solchen im Spannungsfeld von ärztlich-pflegerischer Praxis und Wirtschaftlichkeit. Zu all diesen Themen bietet Rita Bossart interne wie externe Fortbildungen an und wirkt beratend oder aktiv bei der Formulierung entsprechender Betriebsnormen mit. Last but not least ist Rita Co-Leiterin des KSA-internen Ethikforums. Ihr Wirkungskreis mag nicht für jeden sichtbar sein, umfassend und spitalweit wirkungsrelevant ist er auf jeden Fall.

Wer so viel integrative, soziale und ethische Kompetenz auf sich vereinigt, muss selbst vieles in sein Leben integriert und seinen Horizont weit geöffnet haben. Rita Bossart wächst als jüngstes von 5 Geschwistern in einem christlich-katholisch geprägten und bildungsorientierten Familienumfeld in Riehen bei Basel auf. Als vielseitig und auch praktisch begabte Schülerin – ihre Mutter brachte ihr früh das Textilhandwerk bei – fällt ihr die Berufswahl nach der Matur zunächst schwer. Ein Medizinstudium, für das sie durchaus Inte­resse zeigte, schlägt sie aus. Die konkrete Arbeit mit und am Menschen, ist das, was sie interessiert, schnuppert in die Ergotherapie, die ihr zwar gefällt, von der sie mangels Berufsperspektiven jedoch absieht und sich für eine Ausbildung zur Pflegefachfrau entscheidet. Rita liebt ihren Beruf und übernimmt früh eine Stationsleitung, doch gleichzeitig zieht es sie in ihren Ferien in fremde Länder. Sie bereist Indonesien und entdeckt dort ihre Faszination für fremde Kulturen und Sprachen.

Wissenshungrig und neugierig, wie sie seit je ist, reift ihr Entschluss, ein Ethnologiestudium zu beginnen, das sie mit 31 Jahren dann auch startet, ohne ihre Pflegetätigkeit zwecks Studiumsfinanzierung gänzlich aufzugeben. Doch damit nicht genug. Das Studium anderer Kulturen und Gesellschaften am Schreibtisch ist nicht das Gleiche wie Feldforschung vor Ort. Auf der Suche nach einer Promo­tionsmöglichkeit erhält sie das Angebot, im Rahmen eines Doktorandenprogramms den Zugang zum Gesundheitswesen in Abidjan, der Hauptstadt der Côte d’Ivoire, zu studieren. Nach einem Probeaufenthalt in der westafrikanischen Hauptstadt packt sie die Gelegenheit beim Schopf, betreibt in diversen Spitälern und Gesundheitsinstitutionen ihre Feldforschung und lernt, wie das Leben so spielt, ihren heutigen Mann kennen und lieben. Lange Jahre bleibt es zunächst eine Fernbeziehung mit gegenseitigen Besuchen in den Ferien. Nach ihrer Dissertation und definitiven Rückkehr in die Schweiz arbeitet Rita polyvalent an mehreren Einsatzfronten gleichzeitig: so weiterhin als Pflegefachfrau und als Study Nurse in Basel, bei der Aids-Hilfe Schweiz in Zürich oder der Anlaufstelle für Sans-Papiers Basel, bis 2009 das KSA als Arbeitgeber auftaucht. Gekommen ist sie als Study Nurse, 2010 wird ihr dann die neu geschaffene Stelle als Fachexpertin Integration angeboten. Ihre Verbundenheit mit Afrika ist bis heute geblieben. 2010 heiratet sie ihren Mann, der ihr in die Schweiz gefolgt ist. Für dessen beiden Töchter ist Rita 2015 in die neue Rolle als Mutter geschlüpft. Es hat viel Platz im Herz von Rita Bossart Kouégbé.

Autor

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Projektleiter Digitales Marketing, Administrator

Marcel Beyeler arbeitet seit 2011 in der Abteilung Marketing und Kommunikation. Von Anfang an war er zuständig für das Intranet und die Website. Er hat den Relaunch von 2016 prägend mitgestaltet und führt diese Arbeiten laufend fort um die Website aktuell und auf Kurs zu halten. Dabei begleitet sowie schult er die internen Editorinnen und Editoren mit Leidenschaft. Als Social Media Profi, ehemaliger Programmierer und Selfmade-Informatiker ist er auf vielen Online Plattformen zuhause.