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Frauenpower im Herzkatheterlabor

Valeria Pagani, 12.03.2020
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Seit Oktober 2019 hat die KSA Kardiologie eine neue Leitende Ärztin: Dr. Miriam Brinkert. Die 39-Jährige ist aktuell die einzige Frau in der Schweiz, die ein Herzkatheterlabor leitet.

Wir wollten mehr über die kompetente Ärztin und ihre Laufbahn erfahren und haben uns mit Dr. Brinkert zu einem Kaffee getroffen.

Die Ausbildung zur Kardiologin machte die gebürtige Deutsche am Universitätsspital Basel. Anschliessend spezialisierte sie sich in kardialer Bildgebung am Royal Brompton Hospital in London (bspw. kardiale Computer- und Kernspintomografie). Dies gefiel Miriam Brinkert. Doch spürte sie immer deutlicher, dass ihr Herz für die invasive Kardiologie schlägt! Sie packte ihren Mut und Koffer und zog für zwei Jahre nach Kanada, um sich in Calgary zur invasiven Kardiologin ausbilden zu lassen.

Ein Weg, der nur wenige Frauen einschlagen. In der Schweiz ist der Frauenanteil in der invasiven Kardiologie immer noch sehr tief. Auch international sind «role models» mit erfolgreichen invasiven Kardiologinnen selten. Sie erklärt: «Die Konkurrenz in der invasiven Kardiologie ist sehr gross. Für Frauen ist es schwierig, eine invasive Ausbildung mit der Familienplanung zu vereinbaren.» Viele Ärztinnen würden sich wohl aus diesem Grund vermehrt in anderen spannenden Bereich der Kardiologie spezialisieren. Weiter meint sie: «Im Leben öffnen sich verschiedene Türen, durch die man gehen kann. Ich habe mich für diesen Weg entschieden und bin heute sehr zufrieden damit.» Sie hoffe, ein Vorbild für andere Frauen und eine gute Mentorin für junge Ärztinnen und Ärzte zu sein. Sie selbst durfte während ihrer Ausbildung in London und Calgary von einer sehr bereichernden «teaching culture» profitieren. Das Team in Kanada habe sie sehr geprägt und unterstützt: «Meine Professoren und Kardiologie Kollegen haben mich stets ermutigt und waren stolz darauf, jemanden gut auszubilden.» Dies sei etwas, was auch sie als Führungsperson gerne vorleben möchte.

Nach ihrer invasiven Ausbildung war Dr. Miriam Brinkert für mehr als drei Jahre Oberärztin im Herzzentrum des Kantonsspital Luzern, bevor sie Anfang Oktober 2019 ihre Stelle als leitende Ärztin am KSA antrat. Hier ist Miriam Brinkert vor allem im Herzkatheterlabor anzutreffen. Ihr Schwerpunkt liegt im Bereich der Koronarintervention, bei der zur Behandlung von Durchblutungsstörungen des Herzens Stents in die Koronararterien eingesetzt werden. Rund 2’500 solche Stentimplantationen hat Miriam Brinkert in ihrer bisherigen Laufbahn bereits durchgeführt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der interventionellen Herzklappentherapie, bei der über die Leiste Aortenklappen (TAVI) und MitraClips eingesetzt werden.

 

Dr. Miriam Brinkert möchte ein Vorbild für andere Frauen und eine gute Mentorin für junge Ärztinnen und Ärzte sein.

Der Start in den Tag im KSA beginnt in der Kardiologie jeweils mit einem Morgenrapport, bei dem alle Ärzte versammelt die Patientinnen und Patienten der Nacht besprechen und den Tagesplan durchgehen. Anschliessend geht Miriam Brinkert ins Herzkatheterlabor, wo sie elektive Patienten mit Brustschmerzen oder Herzklappenproblemen behandelt. Dazu kommen akute Herzinfarktpatientinnen und -patienten welche sofort behandelt werden müssen. Am Nachmittag und Abend ist sie auf Visite oder führt Sprechstunden. Es ist ein arbeitsintensiver Alltag, von dem sie sich regelmässig mit Partner, Freunden und Familie an der frischen Bergluft beim Wandern oder Skifahren erholt. Miriam Brinkert lebt in Zürich und pendelt mit dem Zug nach Aarau: «Wenn ich Rufbereitschaft habe, verbringe ich die Nacht in Aarau. Ansonsten klappt das gut mit dem Pendeln.»

Im Gespräch mit Dr. Miriam Brinkert wird deutlich: Sie liebt ihren Job – besonders die Abwechslung und Vielseitigkeit. Weiter meint sie: «Häufig sieht man den direkten Erfolg, von dem, was man macht. Und wenn man einem lebensbedrohlich erkrankten Patienten mit einem Eingriff helfen kann, fühlt man sich als Ärztin natürlich gut. Die Patientinnen und Patienten sind sehr dankbar.» Genauso gibt es die Negativseite und das sei dann schwierig. In solchen Situationen sei es wichtig, auf ein starkes Team zählen zu können. Als Führungsperson lege sie besonderen Wert auf einen empathischen Umgang und eine ausgeglichene Kompetenzverteilung im Team. Mit ihrem ruhigen und offenen Auftreten überzeugt sie. In die Teamkultur und die Rolle als leitende Ärztin werde sie sich in den nächsten Wochen noch verstärkt einleben müssen. Miriam zeigt sich zuversichtlich: «Das Team hat mich offen und herzlich empfangen, was mir einen guten Einstieg ermöglicht hat.» Wir sind uns sicher, dass Dr. Miriam Brinkert ihre neue Herausforderung mit viel Kompetenz und Feingefühl angeht und heissen sie herzlich willkommen im KSA!

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Redaktorin