Lesedauer: 3 minuten

Kinderkrebsforschung

Dominik Suter, 03.02.2020
Ein Interview mit Dr. med Katrin Scheinemann
Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin mit Schwerpunkt Pädiatrische Onkologie/ Hämatologie (FMH)

Seit dem 1. Januar sind Sie Präsidentin der Schweizerischen Pädiatrischen Onkologie Gruppe (SPOG). Herzliche Gratulation zur Wahl! Können Sie uns in wenigen Sätzen erklären, was die Aufgaben der SPOG sind?
Vielen Dank! Die Schweizerische Pädiatrische Onkologie Gruppe SPOG ist ein Verein mit dem Ziel, die klinische (d.h. direkt patientenbezogene) Kinderkrebsforschung zu fördern. Unsere Mitglieder sind Schweizerische Spitalabteilungen, welche Kinder und Jugendliche mit Krebs und Blutkrankheiten betreuen. Sie befinden sich an den Universitätsspitälern in Bern, Basel, Zürich, Lausanne und Genf sowie den Kinderspitälern St. Gallen, Luzern, Aarau und Bellinzona. Weitere Mitglieder sind das Schweizerische Kinderkrebsregister, sowie Vertreter der Kinderchirurgie, der Radiologie und der Pathologie.

Die SPOG ist schweizweit engagiert und pflegt eine intensive Zusammenarbeit mit international führenden Forschungsgruppen

Welche Herausforderungen gibt es in der Kinderkrebs-Medizin? Sind diese anders als bei der Krebsmedizin von Erwachsenen? Auf was muss man bei Kinderkrebs besonders achten?
Aufgrund der kleinen Fallzahlen ist eine internationale Zusammenarbeit, insbesondere im Bereich der Therapieprotokolle, unabdingbar. Die regulatorischen Hürden in den einzelnen Ländern sind sehr hoch und führen zu deutlichen Verzögerungen. Aufgrund der kleinen Fallzahl ist die Kinderkrebsmedizin für die Pharmaindustrie nicht sehr interessant, die Entwicklung für neue Therapien daher eingeschränkt. Bezüglich der Therapie besteht die besondere Herausforderung, dass unsere Patienten ihre Erkrankung ja noch viele Jahrzehnte überleben sollen, d. h. wir müssen die Therapie so gestalten, dies nicht zu gefährden.

Was sind Ihre wichtigsten Ziele, die Sie in Ihrem Amt erreichen wollen? Was liegt Ihnen am Herzen?
Zu den wichtigsten Zielen gehört der Zugang der Patienten in der Schweiz zu den neuen Therapien. Ebenfalls ist ein weiterer Ausbau der Zusammenarbeit mit den international führenden Forschungsgruppen enorm wichtig. Die Nachwuchsförderung liegt mir besonders am Herzen.

Wie viele Kinder erkranken in der Schweiz jährlich an Krebs und wie sind ihre Heilungschancen?
Jährlich erkranken ca. 250 Kinder unter 14 Jahren an Krebs. Die Zahl der Erkrankungen zwischen 14 und 18 ist nicht genau bekannt, da diese nicht ausschliesslich in kinderonkologischen Zentren behandelt werden und damit nicht im Kinderkrebsregister erfasst wurde. Die aktuellste Auswertung des Kinderkrebsregisters zeigt aktuell ein Gesamtüberleben von 87 % nach 10 Jahren. In ganz Europa leben heute über 300.000 junge Erwachsene, die als Kind eine Krebserkrankung hatten. Diese Zahl steigt jedes Jahr um über 8000 an.

Neben den medizinischen, mit welchen Herausforderungen kämpfen Kinder, die einmal Krebs hatten?
Die Herausforderungen sind sehr individuell und hängen von vielen Faktoren ab. Dazu zählen die Krebsart, das Alter bei Erkrankung und auch die durchgemachte Therapie neben vielen anderen. Chronische Spätfolgen sind ein grosses Thema und benötigen eine spezielle Expertise im Bereich der Kinderonkologie. Die chronischen Spätfolgen können jedes Organsystem betreffen und damit gravierende Auswirkungen auf die berufliche Entwicklung, die Unabhängigkeit und aber auch die Familienplanung haben.

Autor

Profile picture for user dsuter
Social Media Manager

Dominik Suter ist Social Media Manager in der Marketing Abteilung des KSA. Seine bloggerischen Ergüsse erreichen den treuen Leser exklusiv hier. Worte, solange der Vorrat reicht.