Gescharterte Luftfrachtmaschine
Reto Bucher, 19.07.2020

Schlaflose Nächte wegen Schutzmaterial

Im Ringen um das immer knapper werdende Schutzmaterial gingen zuweilen die Emotionen hoch, aber zu guter Letzt ein Flugzeug in die Luft.

Reto Bucher, Leiter Beschaffung und Logistik, über die Nöte und Schwierigkeiten im Beschaffungsprozess von Schutzmaterial während der Pandemie.

Die Auswirkungen der Corona-Krise waren im Einkauf schon sehr früh zu spüren. Langjährige Lieferanten konnten uns plötzlich nicht mehr mit dem benötigen Material beliefern, da ihre Lieferketten unterbrochen waren. Wir wurden quasi vom einen auf den anderen Tag auf uns selber gestellt. Für das gesamte Team der Beschaffung und Logistik war die Zeit sehr nervenaufreibend, emotional und anstrengend. Es kam uns vor, dass wir rund um die Uhr, 7/24 im Einsatz waren mit dem einzigen Ziel, das benötigte Material für das KSA organisieren zu können. Bei dem einen oder der anderen sorgte dies auch für schlaflose Nächte. Die täglichen Medienberichte zur Mate­rialknappheit der Personenschutzmaterialien wie Masken, Schutzkittel, Handschuhe, Brillen, Desinfektionsmittel usw. wirkten stark auf die Mitarbeitenden des KSA. Das Telefon klingelte oftmals im Einkauf, besorgte KSA-Mitarbeitende erkundigten sich und wollten sich versichern: «gell, ihr schaut für uns KSAler?»

Es waren zum Teil sehr emotionale Gespräche, die nebst der ganzen Hektik und Ungewissheit über Bezugsmöglichkeiten auch Platz einnahmen. In der Krise wächst man oftmals über sich hinaus.

Reto Bucher
Reto Bucher, Leiter Beschaffung und Logistik

Höhepunkt Luftfrachtcharter

So betrachte ich als einen der Höhepunkte die zwei sehr früh aus den eigenen Reihen organisierten Charterflüge mit Schutzmaterial von Schanghai in die Schweiz, welche dem KSA und weiteren Spitälern Nachschub brachten. Unser Einkaufsteam hat die Aktion initiiert, mit unermüdlichem Engagement, einem guten Netzwerk und zusammen mit einem unserer Stammlieferanten gelang diese spektakuläre Materialaktion.

Für die KSAler konnten wir immer genügend Material vorhalten, da wir bewusst früh mit einer Kontingentierung gestartet haben. Dies dient dazu, den Verbrauch anhand des tatsächlichen Bedarfs zu steuern, um eine langfristige Versorgung zu garantieren. Man kann es auch so beschreiben: sorgsamer Umgang und der Situation entsprechend bezüglich Patientenaufkommen. Zusammenarbeit, gemeinsam am gleichen Strick ziehen– das KSA war stetig im Austausch mit Spitälern wie dem Inselspital Bern oder USZ Zürich und weiteren grossen Spitälern.

Als Mitglied der Taskforce im Bundesamt für Wirtschaft und Landesversorgung, zusammen mit dem BAG und Swissmedic, war das KSA immer direkt in das Geschehen involviert. Eine ganz wichtige Beratung und Unterstützung erhielten wir vom Team der Spitalhygiene und Infektiologie. Praktisch rund um die Uhr konnten wir uns bei Unklarheiten immer auf eine äusserst kompetente, pragmatische und schnelle Reaktion verlassen – in diesen Krisenzeiten war das ein absoluter Gewinn. Überhaupt zeigte sich in den vergangenen Wochen, dass so vieles unbürokratisch realisiert werden konnte, man einander geholfen hat, um die Situation gemeinsam meistern zu können. Ich wünsche mir, dass dieser Geist auch weiterhin im KSA herrscht. Das Virus wird uns fortan begleiten, es ist noch so vieles unklar und manchmal muss man auf Gewohntes verzichten, da ist es gut, wenn man auf einen starken Zusammenhalt und gegenseitiges Verständnis zählen kann.

Autor

Leiter Beschaffung und Logistik