Vortriage am Spital Zofingen
Philippe Rafeiner, 31.07.2020

Wie ein Virus ausgebremst wird

Philippe Rafeiner vom Spital Zofingen, beschreibt, wie es dem in enger Zusammenarbeit mit dem KSA gelungen ist, bisher quasi COVID-frei zu bleiben.

Noch vor drei Monaten hätte die Frage «Wie wird ein Virus ausgebremst?» wohl in der Bevölkerung nur Kopfschütteln ausgelöst. Mittlerweile kann aber jede und jeder von uns genügend Beispiele von Massnahmen nennen. Wir alle in der Schweiz haben diesen Spagat in den vergangenen Corona-Wochen aktiv miterlebt: Ein Turnen zwischen fehlender, kommender und sich gerade wieder ändernder, weil aktualisierter Information und die Auseinandersetzung mit der daraus entstehenden Innovation. Damit einhergehend das Üben im Umgang mit rar gewordenen Ressourcen wie Mund-Nasen-Schutz und Einweg-Schutzkleidung.

Konzept eines COVID-19-freien Spitals

Am Beispiel des Spitals Zofingen lassen wir das Konzept eines COVID-19-freien Spitals Revue passieren: Der Patientenfluss wird seit dem 18. März 2020 mittels einer Vortriage konsequent aufgesplittet. Zuerst im rasch aufgestellten, ausgemusterten Militärzelt, eine Woche darauf im Container. Mittels spezifischer, standardisierter Fragen, Temperatur- und Sauerstoffmessung und dann folgendem Algorithmus wird in eine fehlende oder tiefe und in eine mindestens mittlere Vortestwahrscheinlichkeit einer Corona-Erkrankung unterschieden. Mittlere und hohe Vortestwahrscheinlichkeiten werden in der COVID-Triage ausserhalb des Akutspitals (in Betrieb seit dem 22. März) weiter behandelt und abgeklärt und im Falle eines Hospitalisationsbedarfs ins Kantonsspital Aarau verlegt. Patientinnen und Patienten mit fehlender oder tiefer Vortestwahrscheinlichkeit werden auf der regulären Notfallstation betreut. Stationär aufgenommene Patienten mit tiefer Vortestwahrscheinlichkeit werden solange isoliert, bis ein negatives Abstrichresultat vorliegt.

Aufgabenteilung zwischen Zofingen und KSA

Im Gegenzug werden operative Eingriffe vom KSA, vornehmlich aus den Bereichen Urologie und Gynäkologie, in Operationssälen des Spitals Zofingen durchgeführt. Diese konsequente Aufsplittung inklusive Testung hat dazu geführt, dass bisher keine stationären Patienten in Zofingen positiv auf Corona getestet wurden
(0 von 41 Patienten, inkl. Mehrfachtestungen / Kombinationen von Nasopharyngealabstrichen und Serologien). Des Weiteren wurden bisher glücklicherweise auch nahezu alle Mitarbeitenden mit Symptomen einer Atemwegserkrankung ab zwei Wochen nach dem «Lockdown» negativ getestet (seit Testbeginn vom 23. Februar 6 von 70 positiv, davon 1 positiv ab 1. April bei Stellenantritt, erfasst durch Vortriage, Nasopharyngeal-­Abstriche).

Wie lange die Massnahmen vor (Vortriage) und innerhalb des Spitals (hygienische Massnahmen wie Maskentragpflicht, Auseinandersitzen beim Mittagessen, Vermeidung von Gruppierungen usw.) weitergeführt werden sollen, bleibt aktuell naturgemäss noch offen. Umsomehr sei allen Mitarbeitenden des Spitals Zofingen auch an dieser Stelle für deren steten Einsatz, Flexibilität und Konsequenz gedankt!

Autor

Leitender Arzt und stv. Chefarzt Innere Medizin und Diagnostik im Spital Zofingen