Corona-Virus: Sollen wir die Hochzeit absagen?

Experten der Kantonsspitäler Aarau und Baden beantworten weitere Leserfragen

Die Infektiologie- und Spitalhygiene-Experten der beiden Aargauer Kantonsspitäler beantworten weitere Leserfragen zum Corona-Virus.

Zwei Stunden haben sich die Infektiologen Christoph Fux (Kantonsspital Aarau) und Benedikt Wiggli (Kantonsspital Baden) am Mittwoch Zeit genommen, um telefonisch Fragen der AZ-Leser rund um das Corona-Virus zu beantworten. Das Informationsbedürfnis der Bevölkerung ist so gross, dass sich die Experten am Donnerstag spontan erneut bereit erklärten, Fragen entgegenzunehmen und zu beantworten.

Darf ich meinen 12 Jahre alten Sohn noch umarmen und einen Kuss geben? Und meinen Mann?

Fux: Ja, das dürfen und sollen Sie! Innerhalb der Kernfamilie werden Sie sowieso jeden Virus teilen. Aber seien Sie vorsichtig im Kontakt nach aussen. Wenn jemand hustet oder Schnupfen hat: Besuchsverbot bei den Grosseltern!

Wenn ich mit meinen Kleinkindern nach Hause komme, waschen wir uns nicht nur die Hände, wir ziehen uns auch andere Kleider an, weil ich Angst habe, dass sich darauf Viren befinden könnten. Macht das Sinn?

Wiggli: Regelmässiges Händewaschen ist in der aktuellen Situation sehr zu empfehlen. Das Wechseln der Kleider jedoch ist übertrieben. Es gibt keine Hinweise, dass das Corona-Virus auf unbelebten Oberflächen – also auf Kleidern, Tischen, Stühlen, Möbeln etc. – übertragbar ist.

Besteht die Möglichkeit, dass ich das Corona-Virus schon Ende Januar 2020 hatte? Wäre ich dann gegen eine weitere Ansteckung immun? Ich hatte eine starke Grippe mit den beschriebenen Symptomen. Ich war jedoch lediglich über den Silvester in Barcelona. Könnte man das im Nachhinein testen?

Wiggli: Barcelona ist ein touristischer Hotspot, der auch zahlreiche chinesische Gäste anlockt. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass Sie sich dort zu diesem Zeitpunkt angesteckt haben, denn zu dem fraglichen Zeitpunkt war die Epidemie auf China beschränkt. Die Erfahrung zeigt, dass viele virale Erkrankungen eine zeitlich begrenzte Teilimmunität mit sich ziehen. Ob das auch beim Covid-19 der Fall ist, wird sich zeigen, ist aber wahrscheinlich. Ein Test im Nachhinein bringt nichts und macht keinen Sinn.

Ich (50, Raucherin) bin Birkenpollenallergikerin und nehme maximal zwei bis drei Mal pro Woche Zyrtec. Bin ich Risikopatientin?

Fux: Als Raucherin haben Sie sicher eine vorgeschädigte Lunge. Deshalb müssen Sie umso vorsichtiger sein und sich keinem unnötigen Risiko aussetzen.

In den sozialen Medien kursiert folgende Info: Man soll jeden Morgen tief einatmen und für mehr als zehn Sekunden die Luft anhalten – wenn das ohne Husten, Engegefühl oder Beschwerden ginge, dann habe man keine Fibrose in den Lungen und deshalb auch kein Corona. Ausserdem steht, man solle alle 15 Minuten ein paar Schluck Wasser trinken, weil so das Virus, falls es in den Mund gelangt wäre, in den Magen gespült und zerstört wird. Ist das korrekt?

Fux: Schön wär’s, wenn Diagnosen so einfach zu stellen wären. Die neuen Corona-Viren können alles machen, von Halsschmerzen bis zur schweren Lungenentzündung. Wenn Sie zehn Sekunden die Luft anhalten können, wissen Sie aber zumindest, dass die Sauerstoffaufnahme Ihrer Lunge noch funktioniert. Das mit dem Trinken ist sinnlos. Viren werden meist über den Nasen- und Rachenraum aufgenommen und nicht über den Mund. Da nützt nicht mal Schnaps trinken...

KSA Absender iconLesen Sie die weiteren Teile der Frage Serie:

Teil 1: Soll ich die Enkel noch hüten?
Teil 3: Kann ich mit meinem Enkel ins Tessin reisen?

 

Dieser Artikel erschien im Original auf www.aargauerzeitung.ch

Autor

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Nadja Rohner

Zuständig für die Gemeinden Aarau, Buchs, Auenstein, Biberstein, Küttigen, Densbüren und Erlinsbach. Inputs sind willkommen!