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Sandra Heldstab, 07.06.2019

Immer wieder Blasenentzündungen

Unkomplizierte Blasenentzündungen sollten zuerst antibiotikafrei therapiert werden.

Symptome einer Blasenentzündung – wann muss ein Arzt aufgesucht werden?

Blasenentzündungen, auch Harnwegsinfekte, genannt sind mitunter die häufigsten bakteriellen Infektionen der Frau. Über die Hälfte aller Frauen leidet im Laufe ihres Lebens mindestens einmal daran. Rund jede vierte Frau erkrankt zudem nach vorübergehender Besserung erneut.
Harnwegsinfektionen sind gekennzeichnet durch Blasenschmerzen in der Mitte hinter dem Schambein und durch Brennen beim Wasserlösen. Sie können auch mit blutigem oder übelriechendem Urin einhergehen. Wichtig ist bei einer einfachen Blaseninfektion vor allem viel zu trinken (2 bis 2.5 Liter pro Tag). Eine ärztliche Behandlung sollte dann aufgesucht werden wenn die Beschwerden nicht erträglich sind, zunehmen oder länger als drei Tage andauern. Wenn Fieber und Schmerzen in der Flanke oder Nierenloge dazukommen, sollte ebenfalls eine ärztliche Konsultation erfolgen, da dies Zeichen einer Niereninfektion sind und eine antibiotische Behandlung benötigen.

 

Wiederholtes Übel – was tun bei wiederkehrenden Harnwegsinfekten?

Bei Frauen welche drei und mehr Blaseninfektionen pro Jahr haben, reden wir von wiederholten Harnwegsinfektionen. Hier sollte eine gründliche gynäkologische Untersuchung inklusive Ultraschall und Resturinmessung erfolgen. Frauen, die in der Vorgeschichte im Unterleib operiert wurden, benötigen allenfalls auch eine Blasenspiegelung. Bei wiederholten Harnwegsinfektionen sollten vorbeugende Massnahmen durchgeführt werden. Standardmässig werden bisher meistens Antibiotika eingesetzt. Jeder dieser Antibiotikaeinsätze zerstört jedoch unweigerlich das Gleichgewicht und die Vielfalt der gesunden schützenden Bakterienarten in der Harnblase, im Darm sowie in der Vagina und kann darüber hinaus dazu führen, dass krankmachende Bakterien Überhand gewinnen oder antibiotikaresistente Bakterienstämme gefördert werden. Eine natürliche Prophylaxe könnte dabei helfen, das Keimspektrum von Blase, Darm und Genitaltrakt so zu beeinflussen, dass die verursachenden Bakterien und somit die Blasenentzündungen möglichst wieder eliminiert werden, ohne dass die negativen Effekte einer Antibiotikaeinnahme auftreten.

 

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für eine neue Studie zur Wirkung von natürlichen Prophylaxemassnahmen ohne Antibiotika am Kantonsspital Aarau

Da Prophylaxemassnahmen ohne Antibiotika wissenschaftlich nur wenig geprüft sind, hat das Beckenbodenzentrum des Kantonsspitals Aarau eine Studie initiiert, welche eine dieser natürlichen Prophylaxen überprüft (siehe Flyer im Bereich Downloads).

Bei Frauen mit wiederholten Blasenentzündungen herrscht in der Blase oft ein Ungleichgewicht in der Bakterienzusammensetzung in welcher vermehrt krankmachende Bakterienarten vorkommen. Im Rahmen dieser Studie wird untersucht, ob sich dieser krankhafte Zustand mit einer langzeitigen Einnahme von natürlichen nicht-antibiotischen Alternativen wieder in ein gesundes Gleichgewicht mit einer grossen Anzahl gutartiger Bakterien überführen lässt.

Hierzu werden modernste Methoden wie die Hochdurchsatzsequenzierung der Bakterien-RNA genutzt. Mit diesem neuen Verfahren lassen sich Bakterienarten nachweisen, die mit herkömmlichen Methoden wie der Urinkultur zu über 80% komplett verborgen bleiben würden.

Bei Interesse an der Studie kann via Telefonnummer 062 838 51 95 mit der wissenschaftlichen Mitarbeiterin des Beckenbodenzentrums, Frauenklinik Kantonsspital Aarau Kontakt aufgenommen werden.

Autor

wissenschaftliche Mitarbeiterin und Studienkoordinatorin Beckenbodenzentrum