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Erektionsstörungen ernst nehmen

Die Erektionsstörung gilt als Frühwarnsystem für einen Herzinfarkt.

Seit einigen Monaten klappt es bei uns im Bett nicht mehr. Ich (52) habe Probleme, in meine Partnerin einzudringen, und es gelingt mir kaum noch, die Steifigkeit meines Gliedes bis zum Schluss aufrechtzuerhalten. Woran könnte das liegen?

Sehr wahrscheinlich liegt bei Ihnen eine Erektile Dysfunktion (ED) vor. Sie ist definiert als eine länger als sechs Monate andauernde Unfähigkeit, eine Erektion des Penis für eine befriedigende sexuelle Aktivität zu erreichen oder aufrechtzuerhalten.

Die ED ist die häufigste sexuelle Funktionsstörung des Mannes. Schätzungsweise leiden über 400 000 Männer in der Schweiz darunter; bei den 60- bis 69-Jährigen ist sogar fast jeder zweite Mann davon betroffen. Aber auch bei jüngeren Männern ab 20 Jahre tauchen die Symptome vermehrt auf. Tritt eine ED in der zweiten Lebenshälfte auf, steckt in rund 70 Prozent der Fälle eine organische Ursache dahinter, nicht selten eine «Arterienverkalkung» mit manifester Durchblutungsstörung in den Becken-/Beingefässen (PAVK). Hier lohnt sich eine genauere Abklärung z. B. beim Gefässmediziner, denn die sogenannte Arteriosklerose kann sich an allen unseren Gefässen manifestieren. So gelten Erektionsstörungen auch als «Frühwarnsystem» für einen Herzinfarkt und Schlaganfall. Wir wissen, dass sich ein Herzinfarkt ca. zwei bis fünf Jahre nach erstmaligem Auftreten einer ED ereignen kann. Neben den organischen Ursachen können auch Medikamente, wie Herz-Kreislauf-Mittel und Psychopharmaka, Erektionsstörungen auslösen. Des Weiteren spielen Versagensängste, hohe Erwartungshaltungen, beruflicher Stress, Müdigkeit, Depression, Beziehungsprobleme, Rauchen und andere Erkrankungen wie Diabetes eine grosse Rolle. Sie können eine Erektion erschweren oder verunmöglichen.

Gründe für Erektile Dysfunktion:

  • Arteriosklerose, Durchblutungsstörungen
  • Medikamente wie Herz-Kreislauf-Mittel und Psychopharmaka
  • Versagensängste, hohe Erwartungshaltungen
  • beruflicher Stress
  • Müdigkeit
  • Depression
  • Beziehungsprobleme
  • Rauchen
  • Diabetes

Der Penis gilt als «Fiebermesser» für die Allgemeingesundheit des Mannes. Für eine erfolgreiche Erektion braucht es ein koordiniertes Zusammenspiel von Gehirn, Nerven, Hormonen und Gefässen. Das alles muss bei einer seriösen Abklärung einer Erektionsstörung berücksichtigt werden. Eine fächerübergreifende Betrachtung ist daher unerlässlich und verlangt eine enge Vernetzung von Gefässmedizinern, Endokrinologen, Neurologen, Urologen und Sexualtherapeuten. Meist gehört zu einer erfolgreichen ED-Behandlung eine psychologische Betreuung und die Bereitschaft des Patienten, eine Veränderung seines Lebensstils und der Lebensgewohnheiten herbeizuführen, etwa über mehr Sport bis hin zum Meiden von Nikotin und Alkohol.

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Leitender Arzt Angiologie