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Markus Tschopp, 13.03.2019

Kann eine Brille die Sehkraft negativ beeinflussen?

Anders als bei Erwachsenen kann eine falsch angepasste Brille bei Kindern zu einer bleibenden Schwächung der Sehkraft führen.

Kann eine Brille die Sehkraft negativ beeinflussen, im Sinne von: Das Auge gewöhnt sich daran und deshalb nimmt die eigene Sehfähigkeit immer schneller ab? Und: Wie geeignet respektive ungeeignet sind billige Fertigbrillen aus dem Detailhandel? Schaden diese womöglich den Augen?    

Eine falsch angepasste Brille kann zu Beschwerden führen, häufig sind zum Beispiel Kopfschmerzen und rote Augen. Bei Erwachsenen kann eine Brille dem Auge jedoch nicht schaden. Auch die Alterssichtigkeit setzt durch eine Brille nicht schneller ein. Grundsätzlich sind Fertigbrillen als Lesebrillen gut geeignet. Die Stärke hängt von der Lesedistanz und der Brechkraft des Auges ab. So braucht eine normalsichtige Person für eine Lesedistanz von 40 Zentimetern eine Stärke von 2,5 Dioptrien und für eine Lesedistanz von 33 Zentimetern 3 Dioptrien. Allerdings gleicht eine Fertigbrille eine Hornhautverkrümmung und eine stärkere Fehlsichtigkeit nicht aus. Im Prinzip kann man selber testen, ob man mit einer günstigen Fertigbrille glücklich ist. Andernfalls empfiehlt sich die Anpassung einer Gleitsichtbrille, die man immer aufgesetzt lassen kann und durch welche man alle Distanzen scharf sehen kann. Anders als bei Erwachsenen kann eine falsch angepasste Brille bei Kindern tatsächlich zu einer bleibenden Verminderung der Sehkraft führen (auch Amblyopie genannt), was dann auch im Erwachsenenalter nicht mehr behandelbar ist. Dies kann auch geschehen, falls das Kind eine notwendige Brille nicht trägt. Der Grund ist, dass während der Sehentwicklung von beiden Augen ein guter Seheindruck notwendig ist. Bei Kindern mit einer Sehschwäche sind daher regelmässige Kontrollen bei einem Augenarzt mit Orthoptistin notwendig.

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Leitender Arzt Ophtalmologie, Augenklinik KSA