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Wie sollen wir uns vor Zecken schützen?

Je rascher Zecken entfernt werden, desto kleiner ist die Infektionsgefahr.

Die Zecken sind wieder aktiv. Wir wohnen an einem Waldrand. Was empfehlen Sie unserer Familie als Schutz gegen Zeckenbisse und die damit verbundenen Risiken einer Hirnhautentzündung oder Borreliose?

Der Kanton Aargau gilt als Risikogebiet für eine Frühsommermenigoencephalitis (FSME), eine durch Zecken (Holzbock) übertragbare virale Hirn- und Hirnhautentzündung. Gerade jetzt sind die Zecken eine reale Gefahr im Wald- und Wiesengebiet, aber auch im Garten. Neben der FSME wird auch die Borreliose, eine bakterielle Erkrankung, durch Zecken übertragen. Die Durchseuchungsrate der Zecken im Aargau für Borrelien beträgt je nach Gebiet 5–30%, für FSME rund 1%. Zecken kommen bis 1500 Meter über Meer vor und halten sich gerne in Laub- und Mischwäldern auf. Nach einem Biss durch eine infizierte Zecke kann es durch den infektiösen Speichel des Tieres zu einer Übertragung der Infektionserreger kommen. Bei der FSME-Infektion kommt es in 5–15% der Fälle zu grippeähnlichen Symptomen mit Fieber. In rund einem Drittel kommt es in einer zweiten Phase zu einer Entzündung der Hirnhäute und des Gehirns, was sich mit Kopfschmerzen, erneutem Fieber, Bewusstlosigkeit und Lähmungserscheinungen äussern kann. Die Zeit von der Infektion bis zum Ausbruch der Erkrankung beträgt zwischen 2 und 28 Tage. Eine gezielte Therapie gibt es nicht, es können lediglich die Symptome der Erkrankung gelindert werden. Häufig kommt es zu bleibenden neurologischen Ausfällen wie Konzentrationsstörungen, Müdigkeit und Kopfschmerzen. In seltenen Fällen endet die Erkrankung tödlich.

Ein guter Schutz neben der aufmerksamen Überprüfung von exponierten Hautstellen, dem Tragen von schützender Kleidung, zeckenabweisenden Sprays sowie der sofortigen Entfernung der Zecke mit einer Pinzette ist die Impfung. Diese besteht aus drei Grundimpfungen innerhalb von einem Jahr und einer Auffrischimpfung zur Erhaltung einer Langzeitimmunantwort alle zehn Jahre. Die Impfempfehlung gilt ab dem 6. Lebensjahr. Da es sich bei der Impfung um einen Totimpfstoff mit inaktivierten Viren handelt, kann dieser auch bei Menschen mit eingeschränktem Immunsystem angewendet werden. Die Kosten werden in Endemie-Gebieten von der Krankenkasse übernommen. Unter www.fsme-schweiz.ch hat das BAG eine Liste von Gebieten mit Impfempfehlung aufgeschaltet. Zum Schutz vor einer Borrelieninfektion gibt es bisher keine Impfung. Die Erkrankung kann aber im Gegensatz zu der durch Viren ausgelösten FSME mit Antibiotika behandelt werden.

Autor

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Oberärztin Infektiologie und Spitalhygiene/Allgemeine Innere und Notfallmedizin, Leiterin Reisemedizin