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Patientensicherheit als oberstes Gebot

Um die Patientensicherheit am Kantonsspital Aarau sicherzustellen und kontinuierlich zu verbessern, ist ein vielseitiges Massnahmenpaket notwendig.

Patientensicherheit ist ein grosses Wort. Doch was genau steckt dahinter?

Daniela Vetterli-Menig, Leiterin Qualitätsmanagement: Vereinfacht ausgedrückt, bedeutet es, dass wir mit allen Mitteln und aller Kraft verhindern wollen, dass etwas passiert, das nicht passieren sollte, und wir dem Patienten so im schlimmsten Fall Schaden zufügen.

 

Welche Schritte unternimmt das Kantonsspital Aarau, um Patienten zu schützen?

Niemand steht morgens auf und möchte einem Patienten schaden. Aber natürlich sind auch medizi­nische Fachpersonen nur Menschen – und Menschen können Fehler unterlaufen. Unsere Aufgabe ist es, Systeme zu entwickeln und Sicherheitsbarrieren zu schaffen, die Fehler erkennen, vermindern und im besten Fall komplett verhindern. Das alles beginnt schon bei der Aufnahme eines Patienten. Eine vollständige Patientenakte hilft den behandelnden Fachpersonen dabei, die richtigen Entscheidun­gen zu treffen. Auch der Austausch mit den zuweisenden Stellen ist enorm wertvoll. Und je genauer ein Patient seinen Krankheitsverlauf beschreiben kann, umso einfacher ist der Dialog.

 

Welche weiteren Schritte sorgen für mehr Sicherheit im Spitalalltag?

Für eine sichere medizinische Behandlung ist eine eindeutige Patientenidentifikation zu jedem Zeitpunkt des Spitalaufenthalts unverzichtbar. Komplexe Behandlungsprozesse, Arbeitsteilung und Zeitdruck erhöhen die Verwechslungsgefahr ebenso wie Krankheitsbilder und Situationen, die eine Auskunft durch den Patienten verhindern. Deshalb erhalten alle stationären Patienten sowie Patienten, die zu einem ambulanten Eingriff kommen, ein Patientenidentifikationsband, auf dem Vorname, Name sowie das Geburtsdatum stehen.

 

Ein weiteres Element der Patientensicherheit sind Checklisten. Was hat es damit auf sich?

Die Sensibilisierung für die einzelnen Schritte in der Teamarbeit vor, während und nach einem operativen Eingriff sind ebenso wichtig wie gut strukturierte Arbeitsabläufe. Der Einsatz einer Checkliste und die Durchführung sogenannter Team Time-outs helfen dabei, die Patientensicherheit im OP zu erhöhen. Die im KSA seit 2012 eingesetzte OP-Checkliste wurde umfassend aktualisiert und der WHO-Checkliste angepasst. Somit steht ein wertvolles Arbeitsinstrument zur Verfügung, das mögliche Risiken frühzeitig erkennen und so zur Steigerung der Patientensicherheit beitragen soll.

 

Fehler lassen sich nie komplett vermeiden. Wie erfasst das KSA solche und lernt daraus?

Das Berichts- und Lernsystem «Critical Incident Reporting System» (CIRS) steht allen Mitarbeitenden des KSA zur Verfügung. Darin werden (Beinahe-)Zwischenfälle mit dem Ziel erfasst, voneinander zu lernen. Dazu werden alle Meldungen aufgearbeitet und je nach Schweregrad einer Fallanalyse unterzogen. Diese Analysen erfolgen bei Bedarf in interprofessionellen und interdisziplinären Teams. Falls erforderlich, werden daraus Verbesserungsmassnahmen abgeleitet. Das System wird seit 2011 rege genutzt. Entstanden sind daraus Massnahmen in den Bereichen Information und Schulung von Mitarbeitenden, Materialanpassungen sowie Erstellung von klinisch-medizinischen Standards.

 

Wie wichtig ist die kontinuierliche Schulung des Gesundheitspersonals?

Enorm relevant. Je erfahrener das Personal, desto sicherer werden die Abläufe. Doch selbst dann ist ein Vier-Augen-Prinzip sehr sinnvoll. Dieses Verfahren setzen wir beispielsweise im Bereich Medikation ein. Dank einem speziellen Tool, das Verordnungsfehler und potenziell vermeidbare unerwünschte Arzneimittelereignisse detektiert. Das zuständige Team prüft dann diese Meldungen und nimmt mit den verantwortlichen Ärzten Kontakt auf. Aber auch Simulationen in unseren Trainingsräumen unterstützen unser Personal dabei, in hektischen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren.

 

Wer überprüft das alles?

Neben unseren internen Massnahmen tragen auch die Prüfungen durch externe Zertifizierungsstellen zur Sicherung der Prozessqualität bei. Im KSA finden regelmässige Zertifizierungs- und Über­wachungsaudits etwa durch die Deutsche Krebsgesellschaft oder die European Society of Breast Cancer Specialists statt, bei denen Fachexperten anderer Spitäler unsere Sicherheitsprotokolle überprüfen, kritisieren und dazu beitragen, sie zu verbessern.

 

Kann der Patient ebenfalls zur eigenen Sicherheit beitragen?

Absolut. Es ist beispielsweise wichtig, dass der Patient uns umfassend informiert, unter welchen Beschwerden er leidet, welche Medikamente er einnimmt oder welche Vorerkrankungen er hat. Ebenfalls wichtig: Rückfragen stellen. Um Vertrauen in das geplante Vorgehen zu erhalten, sollte der Patient die wesentlichen Schritte seines Behandlungsablaufs verstehen.

Aktionswoche Patientensicherheit

Die Aktionswoche Patientensicherheit 2021 findet vom 13. – 17. September statt.

Wir alle können im Laufe unseres Lebens darauf angewiesen sein, dass uns als Patientinnen und Patienten die grösstmögliche Sicherheit zukommt!

Die Aktionswoche soll darauf hinweisen, dass alle im Laufe des Lebens mit Patientensicherheit in Berührung kommen können. Die Aktionen: Monumente und Gebäude schweizweit in Orange erstrahlen lassen und das Engagement mit Wissenskarten zu konkreten Lebenssituationen und daraus abgeleiteten Videoaktionen in den Fokus rücken.

  • WAS Wichtiges Element der Schweizer Aktionswoche ist, den Gesundheitsinstitutionen die Gelegenheit zu geben, ihr Engagement für die Patientensicherheit sichtbar zu machen. Dieses Jahr soll dies unter anderem durch kurze Videos ermöglicht werden.
  • WARUM Durch die Aktionswoche soll die Öffentlichkeit auf die Bedeutung von Patientensicherheit aufmerksam gemacht werden und das Engagement für das Thema soll auf allen Ebenen verstärkt werden.
  • WANN 13. bis 17. September 2021
  • SEIT WANN Die Stiftung Patientensicherheit organisiert seit sechs Jahren die Aktionswoche Patientensicherheit im September, die durch die globale WHO-Initiative des World Patient Safety Day am 17. September verstärkt wird.
  • WO Schweizweit und international

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