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Auf der Palliativstation im Spital Zofingen in besten Händen

KSA, 19.08.2022
Für unheilbar und lebensbedrohlich Erkrankte braucht es besondere Angebote. Die Palliativstation im Spital Zofingen hat viel Erfahrung in diesem Gebiet, wie eine betroffene Familie erfahren durfte.

Bis vor zwei Jahren hatte die vierköpfige Familie Scherrer* kaum Spitalerfahrung. «Eine OP an der Achillessehne war die Ausnahme», erzählt Reto Scherrer, «die Verletzung war zwar eine schmerzhafte Sache, die Heilung aber absehbar.» Das änderte sich am 2. Dezember 2020, als bei seiner Frau Sophia im Kantonsspital Aarau (KSA) Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert wurde. Ein niederschmetternder Befund, denn obwohl die Medizin stetig Fortschritte macht, ist die Überlebensrate dieser Krebsform noch immer sehr gering.

Grösstmögliche Lebensqualität und individuelle Begleitung

Es folgte schon bald eine erste Chemotherapie, die jedoch nicht die erhofften Resultate zeitigte. «Da zeichnete sich ab», so Reto Scherrer, «dass die Aussichten auf eine Heilung tatsächlich verschwindend klein sein würden.» Also ging es nun in erster Linie darum, dafür zu sorgen, dass die 54-jährige Mutter zweier Töchter im Teenager-Alter während der restlichen Zeit, die ihr noch gegönnt sein sollte, nicht zu sehr leiden musste. Schliesslich entschieden Sophia Scherrer und ihr Mann nach Rücksprache mit den verantwortlichen Stellen, dass sie sich fortan in die Obhut der Palliativstation Zofingen begeben wollten. «Das war die absolut richtige Entscheidung», sagt Reto Scherrer heute, «zum einen aus ganz praktischen Gründen, weil wir gleich in der unmittelbaren Nähe wohnen. Zum andern aber auch, weil ich mir keine bessere Betreuung für Sophia hätte vorstellen können.»

Die Palliativstation wurde 2014 innerhalb des Spitals Zofingen und als Partnerinstitution des KSA eröffnet, weil man erkannt hatte, dass es für unheilbar und lebensbedrohlich Erkrankte, die aufgrund ihrer meist hochkomplexen Krankheitssituation eine besondere Betreuung benötigen, genau ein solches Angebot geben sollte – mit einem Betreuungsteam, das auf Palliative Care spezialisiert ist. «Ziel ist es», sagt Gaby Fuchs, die Leitende Ärztin der Palliativstation, «dass wir Patientinnen und Patienten, die sich im Zuge ihrer Erkrankung in einer schwierigen, ja kritischen Phase befinden, so unterstützen, dass sich ihr Zustand stabilisiert.» Ausdrücklich weist sie darauf hin, dass zwar auch in der Palliativstation Zofingen gestorben wird, «wir aber kein Sterbehospiz sind». Tatsächlich stabilisiert sich der Zustand von zwei Dritteln der rund 200 Patientinnen und Patienten, die pro Jahr eintreten, so sehr, dass sie nach Hause zurückkehren oder aber in eine andere Institution – zum Beispiel ein Pflegeheim – übersiedeln können.

Genau das war auch bei Sophia Scherrer der Fall. Gleich mehrmals wurde sie in ihrem Wunsch unterstützt, möglichst viel Zeit in ihren eigenen vier Wänden zu verbringen. «Im eigenen Bett zu schlafen», sagt Reto Scherrer, «ist halt schon etwas anderes. Zudem hatte Sophia so unsere Töchter um sich herum.» Die enge Abstimmung mit Palliative Spitex, die sie zu Hause unterstützte, stellte sicher, dass ihr die passende Pflege zuteil wurde und sie die richtige Dosis Schmerzmittel verabreicht erhielt. «Das waren wertvolle Wochen und Tage, die meine Frau zu Hause verbringen durfte.»

Interdisziplinäre Zusammenarbeit ist das A und O

Wenn es trotz aller Vorkehrungen und Bemühungen trotzdem nicht mehr ging, konnte Sophia Scherrer wieder schnellstmöglich in die Palliativ-Abteilung im Spital Zofingen hinüberwechseln, wo sie sich in besten Händen wusste. Rund 30 Spezialistinnen und Spezialisten aus nicht weniger als zehn verschiedenen Berufsgruppen kümmern sich in der Institution um die Patientinnen und Patienten: Pflegende, ein Ärzteteam, Sachverständige in Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Psychologie, Kunsttherapie, Biografiearbeit, Ernährungsberatung sowie Seelsorge arbeiten Hand in Hand, um die Symptome und Folgen der meist komplexen Erkrankungen und die Aussicht auf den nahenden Tod erträglicher zu machen. «Die positive Resonanz, die wir sowohl von den Patientinnen und Patienten als auch von ihren Angehörigen erhalten, zeigt, dass sich dieses interdisziplinäre Miteinander vollauf bewährt», sagt Gaby Fuchs, die seit 2015 im Spital Zofingen an Bord ist. Deshalb sei eine gute Kommunikation entscheidend, zwischen den verschiedenen Spezialistinnen und Spezialisten, aber auch mit den Kranken und ihren Angehörigen.

Das kann Reto Scherrer vollauf bestätigen. «Die Mitarbeitenden haben uns die schwierige Situation mit viel Empathie und Einfühlungsvermögen verständlich gemacht», sagt er, «auch deshalb fühlten meine Frau und ich uns immer gut aufgehoben.» Er erinnert sich, dass er vor dieser Krankheitsgeschichte der festen Überzeugung gewesen war, dass man das Gesundheitswesen in der Schweiz der Kosten wegen stärker zentralisieren müsste – sprich: man sich also auf die grösseren Spitäler beschränken sollte. «Diese Sichtweise habe ich aufgrund der Erfahrungen mit dem Palliativzentrum Zofingen fundamental geändert.»

Am 22. Oktober 2021, zehneinhalb Monate nach der Diagnose, schlief Sophia Scherrer für immer ein.

*richtige Namen der Redaktion bekannt

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