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Coronamaskenträger(in) mit Glück im Gesicht

Sara Häusermann vor Bildern
Die diplomierte Pflegefachfrau Sara Häusermann findet in dieser herausfordernden Zeit Ablenkung in der Kunst von Eugen Meier Mathévie. Im Interview beschreibt Sara, wie es dazu kam.

Sara, du hast dem KSA acht Bilder als Leihgabe zur Verfügung gestellt, sie heissen "Coronamaskenträger mit Glück im Gesicht". Gemalt hat sie der Zürcher Künstler Eugen Meier Mathévie. Die 20 x 20 cm grossen Bilder hängen nun bis Mitte Januar im Eingangsbereich Haus 2a.

Die Bilder hast du ersteigert, weil du, wie du sagst, auf der Suche nach schönen Bildern, die glücklich machen, im Internet unterwegs warst. Darum meine erste Frage:

Wie erlebst du die zweite Corona-Welle im KSA und wie gehst du mit der Belastung um?
Ich arbeite seit elf Jahren auf der Trauma-Station, Unfallchirurgie. Wir hatten bis jetzt zwar Corona-Verdachtsfälle gepflegt, doch der Bescheid, dass wir von der Task-Force als Corona Verdachts-Station ausgewählt wurden, kam doch überraschend. An einem Donnerstag kam der Bescheid, am Freitag wurde die Station eingerichtet, am Samstag wurden wir geschult und schon am Montag starteten wir als Corona Verdachts-Station 702. Dies verlangt von uns grosse Flexibilität, vor allem auch, weil der Arbeitsplan wochenweise geschrieben wird.

 

War das eine Überforderung oder eine Herausforderung?
Schon seit der ersten Welle wissen wir, dass das was heute undenkbar ist, morgen schon Realität sein kann. Dank dieser Lernerfahrung konnten und können wir die neue Situation als Herausforderung annehmen. Aber es ist belastend, besonders weil niemand weiss wie lange es noch geht.

Sara mit Tagebuch

Wie äusserte sich das?
Das äusserte sich vor allem nachts, wenn mich die Fragen quälten, wie ich die neue Arbeitssituation mit der Familie vereinbaren kann, ich habe zwei kleine Kinder und ich musste neue organisatorische Lösungen finden.

Als ich, aus einem solchen nächtlichen Gedankenkarussell heraus, mich auf dem Internet ablenken wollte, fand ich die Versteigerung "Masken mit Glück" und das hat mich sofort in Bann gezogen. Der Künstler Eugen Meier Mathévie versteigert jeden Tag ein Bild dieser Maskengesichter mit Glück.

Deine ersteigerten Bilder hängen nun im Haus 2a und bereiten den Menschen dort viel Freude. Was fasziniert dich an diesen Bildern?
Ich finde toll, dass jedes Gesicht einen eigenen Ausdruck hat, obwohl mehr als die Hälfte durch die gemalte Maske überdeckt ist. Ich sehe die Freude in den Augen dieser Gesichter.

Pflegerin vor Bildern

Entspricht das auch deiner Erfahrung im Umgang mit Masken, sei es im Spital oder im Privatleben?
Ja, auf jeden Fall. Es erfordert mehr Wachsamkeit, mehr Präsenz, aber Stimmungen sind trotz Maske ablesbar. Die Augen, die Haltung, die Stimme drücken auch sehr viel aus.

 

Du bist mit dem Künstler in Kontakt getreten und bist mittlerweile ein grosser Fan von ihm.
Ja, ich habe mich in ein grösseres Bild von ihm verguckt: bunte Farbflecken fügen sich zu einem Korb voller wunderschöner Blumen! Ich weiss aber noch nicht, ob ich mir ein so teures Bild leisten kann. Lustig ist aber, dass meine 6-jährige Tochter im Bild etwas ganz Anderes als ich sieht, nämlich ein Gesicht.

 

Du leihst dem KSA deine ersteigerten Bilder aus, ich danke dir sehr dafür! Möchtest du deinen Kolleginnen und Kollegen mit diesen Bildern etwas sagen?
Ja, ich möchte damit all meinen Kolleginnen und Kollegen danken. Wir erleben durch diese spezielle Arbeitssituation neue Formen des Austausches, das finde ich sehr bereichernd. Aber natürlich frage ich mich auch, was einmal bleiben wird. Die mediale Aufmerksamkeit schätze ich sehr, aber der Personalmangel ist ja nicht erst seit der Krise bekannt und es ist eine hohe Belastung, eine extreme Grenzerfahrung. Da stehen also auf der einen Seite die Chancen, die die Veränderung mit sich bringt und auf der anderen Seite die Frage, ob das Potenzial zur Veränderung auch nach der Krise ausgeschöpft wird. Darum ist für mich die grosse Frage "was bleibt?".

 

Was bringt Kultur wie Malerei, Musik oder Film in dieser Zeit der extremen Belastung?
Es bringt auf jeden Fall Ablenkung. Der ganz schwierige und oft diskutierte Punkt sind ja die fehlenden sozialen Kontakte, die gerade für uns Pflegende in dieser Zeit ganz wichtig wären. Das Teilen von Freude und Erfahrungen ist sehr reduziert. Ja, die Bilder bringen Farbe in unsere weisse, sterile Spitalwelt.

 

Ich durfte auch deinen Austausch mit dem Künstler, respektive dessen Manager lesen und war sehr berührt, zu sehen, welche Begeisterung die Bilder und dein Eintauchen in die Welt der Kunst bei dir ausgelöst haben. Du bist in eine dir unbekannte Welt eingetaucht für die du jetzt Feuer und Flamme bist.
Ja das ist sehr wertvoll und bereichernd, etwas ist geschehen, das ohne Corona nicht passiert wäre.

Zum Künstler

Eugen Meier Mathévie (*1936), Maler, Architekt, Stadt Zürcher, der auch im südfranzösischen Mathévie daheim ist, malt jeden Tag ein Werk zum Zyklus "Coronamaskenträger mit Glück im Gesicht" und versteigert die Bilder auf Ricardo.

Bild des Künstler Eugen Meier Mathévie

Bilder auf Ricardo kaufen: https://www.ricardo.ch/
Website des Künstlers: https://www.eugenmeier.ch
Instagram des Künstlers: https://www.instagram.com/e_m_mathevie/
Weitere Infos und Bilder: https://eugenmeier.kleio.com/profile

Autor*in

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Sadhyo Niederberger lotet als Verantwortliche für die Kunstsammlung und als Kuratorin diverser Projekte das künstlerische Potential des Spitals aus. Als freischaffende Künstlerin und als Kuratorin gestaltet sie Erfahrungsräume für künstlerische und interdisziplinäre Experimente.

Infos zu Kunst im Kantonsspital Aarau: www.ksa.ch/kunst