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Schröders Alternativmedizin: Die Skirurgie

Ralph Schröder, 05.12.2019
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Wissenswertes aus der Welt der Paramedizin. Eine Glosse

Die Schweizerische Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) hat jüngst beim Verwaltungsgericht des Kantons Wallis Beschwerde gegen ein Leistungsangebot einer Klinik in Zermatt eingereicht. Der Grund: Im weltbekannten Ferienort haben die Orthopäden Dr. med. Kilian Gipser-Staucher und Dr. med. Raimund Bruchrechner vor zwei Monaten die erste Klinik für Skirurgie eröffnet. Das neue Angebot sei absolut unlauter, missbräuchlich, ja moralisch verwerflich, so die GOTS. Die Skirurgen Gipser-­Staucher und Bruchrechner wollen gemäss Klinikprospekt nicht nur Knochenbrüche nach Skiunfällen, sondern auch gleich das beim Unfall zu Schaden gekommene Skimaterial mitreparieren. Für die GOTS ein Skandal. Für grosse Aufregung hatte zunächst ein Inserat im «Walliser Bote» gesorgt. Ex-Olympiasieger und Skiweltmeister Pirmin Zurbriggen bewirbt hier mit Bein im Gips, aber strahlend lächelnd vor dem Matterhorn stehend, die neu angepriesene Zusatzversicherung «MedSki» des Krankenversicherers SANABrig. Mit dieser Versicherung, so das Versprechen, seien sowohl die Kosten für die Behandlung in besagter Klinik für Skirurgie gedeckt als auch der Schaden des durch einen Unfall betroffenen Skiequipments – eine Kranken-, Unfall- und Schadenversicherung in einem also quasi.

Die GOTS klagt nun sowohl gegen das Versicherungsangebot als auch gegen die Skirurgen Gipser-Staucher und Bruchrechner, ebenso gegen Zurbriggen, nachdem bekannt wurde, dass der offenbar für die Hotelleriedienstleistungen in der Zermatter Skirurgen-Klinik verantwortlich zeichnet. Das Ganze sei ein Riesen-Abzocker-Paket, medizinethisch höchst bedenklich und ein Komplott gegen den Berufsstand der Orthopäden.

Doch Gipser-Staucher und Bruchrechner verteidigen ihren Ansatz und wehren sich gegen den Vorwurf, ihr kombiniertes Leistungsangebot sei in keinster Weise medizininsch indiziert. «Wir erhalten aufgrund der jeweils durchgeführten Materialografie am beschädigten Skiequipment, d. h. durch bildgebende Verfahren wie Lichtmikroskopie, Raster-Elektronen-Mikroskopie, Spektroskopie und Funken-Emissionsspektroskopie, wertvolle Hinweise für die individuelle Behandlung unserer Traumapatienten. Wir röntgen sowohl den Patienten wie seine Ski. Die so detektierten Bruchstellen und Risse am Skimaterial z. B. liefern oft wertvolle Infos für den konkreten orthopädischen Eingriff.»

Aus ökonomischer Sicht ist das neue Skirurgie-Paket ein Riesenerfolg: «Brüche rechnen sich», gibt Bruchrechner unumwunden zu. Beim heutigen Wettbewerbsdruck seien eben innovative Ideen gefragt – und Kreativität. Solche kann man dem Trio Gipser-Bruchrechner-Zurbriggen wahrlich nicht absprechen, wie ein Blick auf das aktuelle Menüangebot der Klinik für Skirurgie beweist. Ein «Stockfisch auf Spitzensalat», eine «Rückenkante vom Rind mit gewachsten Ofenkartoffeln» sowie eine «geeiste Vanillezipfelmütze» stehen da auf der Karte. Auch ein Fondue im Skihelm wird angeboten. Ob statt mit Messern mit Skalpellen gegessen wird, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden.

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Redaktor/Stv. Mediensprecher

Nach langjähriger Tätigkeit als Lehrer, Korrektor, Redaktor und Verlagsleiter ist Ralph Schröder seit 2011 ein engagierter und bedachter Texter für das KSA, der es jederzeit versteht, dem geschriebenen Wort Verständnis und Sinn einzuimpfen.