Corona-Virus: Kann ich mit meinem Enkel ins Tessin reisen?

Experten der Kantonsspitäler Aarau und Baden beantworten weitere Leserfragen

Die Infektiologie- und Spitalhygiene-Experten der beiden Aargauer Kantonsspitäler, Benedikt Wiggli (Baden) und Christoph Fux (Aarau), beantworten weitere Leserfragen zum Corona-Virus.

Ich habe gehört, dass andere Medikamente ein Türöffner für das Corona-Virus sein können. Welche Gefahr kann mit den Medikamenten Coveram Plus oder Aspirin Cardio entstehen?

Benedikt Wiggli: Es kursieren derzeit viele Theorien und Gerüchte. Klar ist aber: Es gibt aktuell keinen Grund, eine gut funktionierende Medikation aufzugeben oder umzustellen.

Ich habe eine Grippe mit Husten und Fieber. Wie lange muss ich zu Hause bleiben?

Christoph Fux: Wer Fieber hat oder sich krank fühlt, soll von der Arbeit sofort nach Hause gehen. Dort soll man bleiben mindestens bis 24 Stunden nach Abklingen der Symptome. Den Kontakt zu Risikopatienten, alten Menschen und Menschen mit Grunderkrankungen, soll man aber mindestens eine Woche pausieren.

Ich bin 34 Jahre alt und habe eine chronische Herzinsuffizienz mit einer Herzleistung von ca. 40-45 %. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, wenn ich mich mit dem Virus infiziere, diese Erkrankung zu überleben? Hängt dies von der Schwere des Verlaufs ab?

Fux: Sicher wäre eine Lungenentzündung mit dem neuen Coronavirus für Sie lebensgefährlich. Wir können im Einzelfall aber nicht voraussagen, ob es bei Ihnen nicht auch bei Halsweh und Husten bleiben könnte. Deshalb gibt es nur eins: Risikoreduktion durch Isolation.

Ich war am Wochenende in Ischgl. Das Restaurant, in dem wir am Samstagabend gegessen haben, wurde am Sonntag geschlossen, weil ein Barkeeper an Corona erkrankt ist. Er hat uns wahrscheinlich nicht direkt bedient. Mein Arbeitgeber hat mir trotzdem Homeoffice verordnet. Mein Vater (76) liegt derzeit mit einer schweren Erkrankung im KSA. Bin ich ein Risiko für ihn?

Fux: Das Übertragungsrisiko ist am höchsten bei Leuten, die im gleichen Haushalt leben und bei Intimkontakten. Weil es eine Tröpfcheninfektion ist, ist man bei einer Distanz über 2 Meter vor direkter Ansteckung sicher. Falls Sie sich angewöhnt haben, nicht ins Gesicht zu fassen und sich nach Rückkehr nach Hause die Hände zu waschen, haben sie sich in der Bar nicht angesteckt.

Falls ich Corona bekomme: Muss ich danach meine Wohnung desinfizieren? Es wird eine Risikoperson einziehen. 

Fux: Eine Reinigung mit klassischen Putzmitteln ist absolut genügend, wie auch Seife völlig ausreicht, um Viren von den Händen zu befreien.

Unsere beiden Kinder (7 und 5) haben Anfang April Geburtstag. Wir planen zwei Geburtstagsfeiern in der Region mit je ca. 10 Kindern, eine auf einem Pferdehof, eine in einem Museum. Ab wann würden Sie empfehlen, diese Feiern abzusagen? Erst wenn die Volksschulen geschlossen würden oder wenn einer von uns Symptome entwickeln würde?

Fux: Die propagierten Isolations- und Hygienemassnahmen haben das Ziel, die Verbreitung des Virus zu verlangsamen. Kinder haben unter sich sehr engen Kontakt und verbreiten Viren deshalb schnell. Deshalb sollten solche Parties aktuell abgesagt werden. Laden Sie einzelne Kinder zum Spielen ein und stellen Sie dabei sicher, dass keines der Kinder auch nur einen Schnuderi hat. Sonst zu Hause bleiben!

Ich (67, Bluthochdruck und phasenweise Bronchialasthma) benutze regelmässig gegen trockene Nasenschleimhaut Meerwasser-Nasenspray, manchmal Nasensalbe oder mache eine Nasenspülung. Alle Gegenstände werden nur von mir alleine benutzt. Gibt es dazu noch zusätzliche hygienische Vorsichtsmassnahmen zu treffen, die ich möglicherweise bisher nicht berücksichtigt habe?

Wiggli: Wichtig ist, dass Sie die Hygiene-Massnahmen des Bundes konsequent anwenden. Da Sie aufgrund Ihres Alters zu einer Risikogruppe gehören, ist es in Ihrem Fall sicherlich ratsam, wenn Sie besonderen Wert auf diese Empfehlungen legen. Das heisst, Ansammlungen von mehreren Personen (z.B. in ÖV, Restaurants, Kinos usw.) nach Möglichkeit meiden und auf gute Händehygiene achten.

Ich (70) habe mit meinem Enkelkind (3,5) eine Reise nach Ascona TI gebucht. Da wir beide gesund sind, möchte ich trotz allem gerne hinreisen, da wir uns sowieso nur auf Spielplätzen, im Wald und am Fluss aufhalten werden.

Fux: Reisen Sie im Moment keinesfalls ins Tessin. Die Chance, dass Sie mit dem Virus zurückkommen ist gross. Geniessen Sie die Aare, am liebsten an einem einsamen Plätzchen, wo Sie ihrem Enkel die volle Aufmerksamkeit schenken können.

Ich (27) bin seit einiger Zeit an Colitis Ulcerosa erkrankt. Letzte Woche hatte ich wieder eine sehr starke Darmentzündung und bekam eine Remicade-Infusion und Cortison. Bin ich gefährdet?

Wiggli: Ihr Immunsystem ist durch Ihre Medikation geschwächt. Solange Sie sich gut fühlen müssen Sie allerdings nichts Spezielles unternehmen. Befolgen Sie die Hygiene-Vorschriften des Bundes, meiden Sie Menschenmengen, waschen Sie sich regelmässig die Hände und melden Sie sich umgehend bei Ihrem Arzt oder dem Spital, wenn Sie Erkältungssymptome spüren.

Ich bin 54 und hatte in den letzten 10Jahren drei Lungenentzündungen. Bin ich Risikopatient wenn ich mich anstecke?

Fux: Falls die Infektionen zu einer bleibenden Schädigung der Lugenfunktion geführt haben, sind Sie Risikopatient. Das heisst: sie müssen umso mehr auf Distanz bedacht sein.

KSA Absender iconLesen Sie die ersten beiden Teile der Frage Serie:

Teil 1: Soll ich die Enkel noch hüten?
Teil 2: Sollen wir die Hochzeit absagen?

 

Dieser Artikel erschien im Original auf www.aargauerzeitung.ch

Autor

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Nadja Rohner

Zuständig für die Gemeinden Aarau, Buchs, Auenstein, Biberstein, Küttigen, Densbüren und Erlinsbach. Inputs sind willkommen!