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"Dank der Hornhauttransplantation kann ich wieder sehen"

Martin Winter, 06.05.2021
Susanne Frei war auf dem linken Auge beinahe blind. Dank der Transplantation einer Spenderhornhaut kann sie heute ihr Leben ganz normal weiterführen.

Der Leidensweg begann schon vor Jahren: Susanne Frei erkrankte am grauen Star. In einer sogenannten Kataraktoperation liess sie sich die erkrankte Linse entfernen und durch eine künstliche ersetzen. Als vor rund vier Jahren auch die künstliche Linse trüb wurde, suchte sie das Gespräch mit ihrem Augenarzt. «Es wurde immer schlimmer, ich konnte kaum noch sehen», erinnert sich die 61-Jährige. Nach einem Untersuch in der Augenklinik des Kantonsspitals Aarau (KSA) war klar, dass Frei unter einer seltenen Erkrankung der Hornhaut leidet: einer Fuchs’schen Endotheldystrophie.

Die Hornhaut schützt das Auge
Um zu verstehen, was eine Fuchs’sche Endotheldystrophie ist, muss man wissen, wie das menschliche Auge aufgebaut ist. Jener Teil des Auges, der sichtbar ist, wird von einer durchsichtigen Hornhaut geschützt.

      Auge

Diese Hornhaut besteht aus verschiedenen Gewebeschichten. Auf der Innenseite der Hornhaut befinden sich sogenannte Endothelzellen, welche die Hornhaut entwässern und so eine Schwellung verhindern. Je nach genetischer Veranlagung, nach einer Operation oder einem Unfall kann es sein, dass sich die Anzahl Zellen reduziert, die Hornhaut dadurch nicht ausreichend entwässert wird und in der Folge aufquillt. Das Resultat für die Betroffenen: Die Sehkraft vermindert sich zunehmend.
 

Ich habe vor der Operation fast nichts mehr gesehen. Ohne den Eingriff hätte ich meine Stelle im Service verloren und wohl auch nicht mehr lange Auto fahren können.

Susanne Frei, Patientin

Dankbar für die Möglichkeit
«In solchen Situationen ist eine Hornhauttransplantation früher oder später die einzige Möglichkeit, Patienten vor der zunehmenden Erblindung zu schützen », erklärt Dr. med. Stefan Trachsler, leitender Arzt der Augenklinik des KSA. Nichts zu tun, sei in diesem Fall langfristig keine Option. «Der richtige Operationszeitpunkt ist entscheidend. Wartet man zu lange, können die moderneren chirurgischen Verfahren eventuell nicht mehr angewandt werden », warnt Trachsler. Patientin Susanne Frei zögerte keine Sekunde: «Ich habe vor der Operation fast nichts mehr gesehen. Ohne den Eingriff hätte ich meine Stelle im Service verloren und wohl auch nicht mehr lange Auto fahren können.» Dass bei ihr eine Spenderhornhaut transplantiert wurde, störte Frei nicht: «Für mich macht es keinen Unterschied, ob es eine menschliche oder eine künstliche Hornhaut ist. Ich bin dankbar für diese Möglichkeit, die mir viel Lebensqualität zurückgebracht hat.»

Eingriff dauert nur 90 Minuten
Der Eingriff selbst dauert in der Regel nur rund anderthalb Stunden und kann unter lokaler Anästhesie oder Vollnarkose durchgeführt werden. Bei einer sogenannten lamellierenden Hornhauttransplantation – kurz DMEK genannt – wird nicht die gesamte Hornhaut ersetzt. Stattdessen werden nur die erkrankten Zellen entfernt und durch die Spenderzellen ersetzt. «Bei diesem Verfahren liegen die Erfolgschancen bei rund 90 Prozent. Bei den allermeisten Patienten verbessert sich die Sehschärfe nach einem Eingriff deutlich», erklärt Dr. med. Stefan Trachsler. Gelegentlich sei ein zweiter Eingriff nötig, räumt er ein. Dann etwa, wenn es zu einer Verschiebung des Transplantats kommt oder das Hornhauttransplantat gänzlich versagt. Längerfristig gesehen liege die Erfolgsquote aber sehr hoch, betont Trachsler. Nicht zu operieren, sei klar die schlechtere Option.

 

Nach kurzer Erholungszeit wieder klare Sicht
Hinzu kommt, dass die Erholungszeit nach einer DMEK nicht wie bei einer vollständigen Hornhauttransplantation bei anderthalb bis zwei Jahren liegt. Im Gegenteil ist die Erholungsphase sehr kurz: Schon nach 24 Stunden durfte Patientin Susanne Frei ihren Verband abnehmen. «Nach einer Woche hatte ich eine relativ klare Sicht. Ich war überrascht, wie schnell alles ging», erinnert sie sich. Nach drei Wochen Schonzeit zu Hause und täglichen Cortison- Tröpfchen war die Odyssee beinahe vergessen: «Vor der Operation war ich fast blind, jetzt sehe ich wieder alles. Es ist unglaublich.»

KSA kooperiert mit Hornhautbank Keradonum

In der Schweiz werden jährlich rund tausend Patientinnen und Patienten gespendete Augenhornhäute transplantiert. Viele Betroffene müssen jedoch Wartezeiten in Kauf nehmen, bevor sie operiert werden können, weil es nicht genügend Augenhornhaut- Spenderinnen und -Spender gibt. Die gemeinnützige Keradonum- Stiftung Hornhautbank mit Sitz in Olten versucht seit dreizehn Jahren diesem Mangel zu begegnen. Dank ihrem Engagement konnte die Stiftung seit Bestehen bereits über 800 Augenhornhauttransplantate bereitstellen und damit Patienten vor dem Erblinden bewahren.

KSA vermittelt jede dritte Augenhornhautspende
Als Mitglied des Organspende- Netzwerks Schweiz Mitte ist Keradonum in der Region Mittelland/ Nordwestschweiz tätig und arbeitet mit aktuell fünf Partnerspitälern in dieser Region zusammen (KSO, BSSO, KSBL, SRO und KSA). Mit dem Kantonsspital Aarau besteht seit 2017 eine äusserst erfolgreiche Kooperation. Bereits nach dem dritten Jahr der Zusammenarbeit zeichnet das KSA für rund ein Drittel der durch die Keradonum- Stiftung bearbeiteten Augenhornhautspenden verantwortlich.

Wie die Spende funktioniert
Das ärztliche Personal der Medizinischen Uniklinik des KSA wird halbjährlich für das sensible Thema geschult. Verstirbt ein Patient oder eine Patientin im Spital, werden zunächst Abklärungen zur Spendenbereitschaft (Spenderausweis, Gespräch mit Angehörigen) und zur Tauglichkeit der Augenhornhäute gemacht. Liegt eine Einwilligung vor, wird Keradonum telefonisch informiert. Die Entnahme der Augenhornhaut erfolgt danach innerhalb von 24 Stunden im Institut für Pathologie des KSA durch Keradonum. Im Labor werden die Augenhornhäute nach gesetzlichen Vorgaben auf übertragbare Krankheiten untersucht. Geeignete Augenhornhäute können darauf bis zur Transplantation 30 Tage bei konstanter Temperatur von 34 °C gelagert werden. Vor einer Transplantation erfolgt erneut eine Qualitätskontrolle. Sämtliche Daten sind anonymisiert. Weder die Hinterbliebenen der Spendenden noch die Empfänger erhalten Einsicht in die Herkunft oder das Ziel der Spenderhornhaut. Jedem Empfänger oder jeder Empfängerin wird nur eine Hornhaut zugeteilt. Eine Spende verhilft deswegen zwei Menschen zu neuem Sehen.

Die KSA Augenklinik
Das Augenlicht ist ein kostbares Gut, und ein Verlust der Sehkraft führt zum Verlust von Lebensqualität und Selbständigkeit. 

Unser Team von Augenspezialisten hat langjährige Erfahrung in der Behandlung von Sehstörungen. In der KSA Augenklinik wird das gesamte Spektrum an Augenerkrankungen abgedeckt.

Viele Erkrankungen betreffen nicht nur isoliert das Auge, sondern auch andere Organsysteme. Wir arbeiten deshalb innerhalb und ausserhalb des KSA eng mit Experten aus anderen Fachgebieten zusammen (Diabetologen, Neurologen, Neuroradiologen, Neurochirurgen, Pädiatern etc.), um rasch und effektiv zur Diagnose zu kommen und anschliessend eine Therapie durchzuführen. Sollte eine Operation notwendig werden, bietet unsere Augenklinik dafür die perfekte Infrastruktur: moderne Operationseinrichtungen, erfahrene Operateure und grösstmögliche Sicherheit durch ein professionelles Begleitteam (Pflege/Narkoseärzte).

Jeder Patient ist anders und jede Augenerkrankung sollte daher auch individuell behandelt werden. Sprechen Sie mit uns, damit wir gemeinsam eine Lösung für Ihr Problem finden können.  Unser Ärzte- und Pflegeteam steht ihnen mit grossem Fachwissen und Engagement zur Seite. In Notfällen können Sie sich 24 Stunden 365 Tage im Jahr in der Augenklinik am KSA behandeln lassen.

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