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Dreidimensional vorausplanbare Zahnprothetik

Mit digitaler Unterstützung zurück zum perfekten Lachen.

In der Mund-, Kiefer- und Gesichts­chirurgie am Kantonsspital Aarau besteht die Möglichkeit, aufgrund von hoch technisierten Gesichtsscanmethoden und neuer digitaler Planungssoftware Implantat-getragenen Zahnersatz auf die individuellen Ansprüche des Patienten/der Patientin massgeschneidert zu planen und in einer einzigen Operation umzusetzen.

Herrn B. ist wortwörtlich nicht mehr zum Lachen zumute, seit Jahren leidet er unter starkem Zahnfleisch- und Knochenschwund. Seine Zähne sind beweglich und schmerzen. Richtig kauen, das heisst seine Nahrung zerkleinern, kann er nicht mehr, sodass er regelmässig unter Magen-Darm-Beschwerden leidet. Herausnehmbare Zahnprothesen, auch nur übergangsweise, kommen für Herrn B. auf keinen Fall infrage. Er möchte damit nicht auf die Strasse und würde sich mit diesen vor seinen Familienmitgliedern und Freunden schämen. Zusätzlich hat er einen hohen ästhetischen Anspruch; alles soll so natürlich sein wie früher.

Die Lösung liegt für ihn in indivi­duell angepassten, festsitzenden, verschraubten Zähnen auf Implantaten. Diese ­Behandlungsmethode, die schon seit ­mehreren Jahren weltweit erfolgreich durchgeführt wird, kann auch die Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie Kantonsspital Aarau vollumfänglich anbieten. Seit Anfang des Jahres besteht nun aber zusätzlich die Möglichkeit, aufgrund von neuen, hoch technisierten Gesichtsscanmethoden und neuer digitaler Planungssoftware diesen Implantat­-getragenen Zahnersatz den Patientinnen und Patienten auf individuelle Ansprüche massgeschneidert anzubieten. Es sind PD Dr. med. Dr. med. dent. Philipp Metzler und Dr. med. dent. Thomas ­Borer, die diese faszinierende Neuerung am Kantonsspital Aarau (KSA) etabliert haben.

Bei dieser Methode werden sämtliche Zähne und der entzündete Knochen entfernt. Die Schwierigkeit des Eingriffs ist zu wissen, auf welches Niveau der Knochen angepasst werden muss, um später eine optimale Kraftübertragung auf die Implantate zu erhalten. Nur so kann ein optimales kaufunktionelles und ästhetisches Ergebnis erreicht werden. Fliessen diese Punkte nicht in die operative Planung ein, resultiert ein schiefes, unnatürliches Lächeln. Zusätzlich kann es durch Fehlbelastungen zu Brüchen der Zähne sowie Schmerzen beim ­Kauen kommen.

Kieferchirurgischer und prothetischer Teil des Eingriffs wird kombiniert

Im KSA ist es nun möglich, den gesamten Eingriff im Vornherein komplett digital und dreidimensional zu planen. «Durch diese exakte Planung ergibt sich ein voraussagbares und präzises Resultat, und es kann Operationszeit eingespart werden», erklärt Dr. Thomas Borer. Und der Patient müsse nie ohne Zähne sein. «Im selben Eingriff werden die alten Zähne entfernt, die Implantate eingesetzt und die neuen Zähne fixiert.» Da die Zähne genau an die Anatomie angepasst sind, erreicht man eine optimale Druckverteilung, was wichtig für ihre Langlebigkeit ist. Aber vor allem liesse sich durch die präzise Simulation ein ästhetisch schönes Resultat erzeugen. «Die festen Zähne sind harmonisch ins Gesicht integriert, es ergibt sich ein schönes Lach-Bild, und die Zahnlänge und -form passen optimal zu Mund, Lippe und Gesicht.»

Zur Planung werden vom Gebiss des Herrn B. drei Aufnahmen angefertigt: eine dreidimensionale Fotoaufnahme des gesamten Kopfes, ein digitales 3D-Röntgen und ein intraorales Foto.

Nach der Planung am KSA gehen diese Daten ins Dentallabor, anhand derer dort die Zähne aus einem Block herausgefräst werden. «Dass die Zähne aus einem Stück bestehen, ist ein grosser Vorteil und massgebend für deren Stabilität», so Dr. Metzler.

Optimales ästhetisches Resultat

Für Herrn B. steht der Tag der Operation an. Mittels einer im Kiefer angebrachten Schablone wird der Knochen exakt auf die festgelegte Ebene angepasst, und dann werden die Zahnimplantate gesetzt, auf denen die Zähne mittels Schrauben fixiert werden. Bereits im Aufwachraum werden die neuen Zähne überprüft. Unter- und Oberkiefer fügen sich exakt ineinander. Auch die Nahrungsaufnahme ist, zwar mit gewisser Vorsicht, gleich wieder möglich. Am Abend der Operation verlässt Herr B. die Klinik bereits wieder.

Für Herrn B. steht die Kontrolle sechs Monate nach der Operation an. Die Brücke, die ihm eingesetzt wurde, ist noch nicht die definitive, da das Zahnfleisch noch etwas schrumpfen kann. Deshalb wird das intraorale Foto wiederholt und die Anfertigung der definitiven Zähne durch den Hauszahnarzt/die Hauszahnärztin angepasst und fertiggestellt.

Herr B. mag sich aber eigentlich gar nicht von seinen provisorischen Zähnen trennen, so glücklich ist er damit, was er mit einem breiten Lachen bestätigt.

Expertise am KSA

Metzler BorerPD Dr. med. Dr. med. dent. Philipp Metzler, Oberarzt mbF & stv. Chefarzt Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (Links) und Dr. med. dent. Thomas Borer, Oberarzt i.V. Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, spezifische Oralchirurgie und Tumorprothetik (Rechts), haben diese Methode am Kantonsspital Aarau gemeinsam eingeführt und etabliert.

Sie sind die Kompetenzpersonen für diese Eingriffe. Für mehr Informationen geben sie Ihnen gerne Auskunft unter:
philipp.metzler@ksa.ch oder thomas.borer@ksa.ch  

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